Eine der faszinierendsten Persönlichkeiten, die ich in meiner Zeit als Plattenlabelbesitzer kennen lernen durfte, war mit Sicherheit ein Künstler namens splidtercrizt.
Kennen lernen ist in diesem Zusammenhang allerdings vielleicht zu viel gesagt, denn kennen gelernt habe ich lediglich seine Kunst. Persönlich begegnet sind wir uns nämlich leider nie.
Ich habe mir splidtercrizt immer als einen etwas blassen, sehr feinsinnigen jungen Mann vorgestellt, der alleine in einem Schloss wohnt und mit langen dünnen Fingern zärtlich über einen alten goldenen Kelch streicht. Sein Zuhause ist der Narbengarten, gleichzeitig ein Schutzraum für seine verwundete Seele, wie auch Pilgerstatt für all die Schmerzen, die er selbst erlitten hat. Schmerzen, die er JEsus-gleich für und anstelle aller Menschen auf sich genommen hat und die er bereit ist, für uns zu tragen, um uns zu erlösen. Ein bescheidener Mann. Ein absolut mächtiger Mann.
Im letzten Jahr fand an der Kunsthochschule Düsseldorf eine Veranstaltung statt, die den dem Titel “gsamtcunsdwrk“ trug. splidtercrizt persönlich hielt eine Messe, eingerahmt in eine Szenerie, die von dem jungen und sehr talentierten Bildenden Künstler Henning Arend entworfen und gebaut worden war. Zu diesem Ereignis wurde ein Buch veröffentlicht, das nun in physischer und virtueller Form vorliegt. Ein Kunstgenuss, der einen auf mehreren Ebenen anspricht. So gibt es nicht nur die feinsinnigen Gedichte von splidtercrizt zu lesen, auch die Fotos der visuellen Gestaltung des Raumes als Kirche, als Gruft, als Narbengarten berührt. Ein Video von der Messe selbst rundet die nrbngrtn-Seite ab.
Schaut es Euch an. Es ist eine Empfehlung.
der bleiche Lord
auf seinem beinernen Thron
seine Gedanken kreisen um Mord
er traegt eine Krone aus Blei
auf dem Haupt zum Hohn
splidttercrist
von der Erde ausgespien
ein verkanntes Genie
in seinen Wahnfantasien
durchwatet er knietiefe Leichenmasse
ein schleichendes Gift
fuer die menschliche Rasse
ist sein Wirken
er verkehrt nur mit mordluesternen Schurken
seine Spuren fuehren aus den Grueften
zu den Burgen der maechtigen Herren
die will er wuergen
und in das Dunkel zerren
splidttercrist
ein Weltmann von erlesenem Geschmack
um sich zu beruhigen schnueffelt er Lack
er erscheint in einem purpurnen Frack
und packt
blutige Leichenteile in seinen Sack
so ist es ueberliefert
mit seinen maechtigen Kiefern knackt er Knochen wie Nuesse
weder Stricke noch Schuesse bewirken bei ihm mehr als leichte Bluterguesse
seine Realitaet hat Risse und Loecher
er hat vergiftete Pfeile in seinem Koecher
er ist heilig
er hat es eilig
denn es gibt noch viel zu tun
dabei wuerde er lieber in der kuehlen Erde ruhen