Staiger der Observer

Blog für Politik, Zeitgeschehen und Unterhaltungskultur. Große Literatur und niedere Instinkte. Fotos, Schnipsel und Reportagen vom Rande der Gesellschaft. No Fear!
Aug. 27 '14

Auch wenn das Splash-Festival nur noch als sanfter Erinnerungshauch in unserem Gedächtnis hängt, mit dem Gefühl, verbunden mit dem Gefühl eines wunderbaren Sommers, der sich nun zu Ende neigt - will ich an dieser Stelle daran erinnern, dass ich mit Eko Fresh und Spaiche ein kleines Gespräch über Comebacks und Comebacks geführt habe. Oder auch: Warum lässt der Fuchs das Jagen nicht? (Wahnsinnig poetisch und nur damit Ihr seht, dass ich auch ab und zu noch was mit Musik zu tun habe.)


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Aug. 27 '14

Was zu erwarten war - der Berliner Senat verarscht Flüchtlinge

Im April dieses Jahres hat es der Berliner Senat geschafft, das Refugee-Protest-Camp am Kreuzberger Oranienplatz aufzulösen. Arbeitssenatorin Dilek Kolat bediente sich hierzu eines Tricks, indem sie einem Teil der Geflüchteten eine Angebot unterbreitete, nachdem diese in Berlin eine wohlwollende Einzalfallprüfung erhalten sollten sowie Unterkünfte und soziale Leistungen für sechs Monate. Am vergangenen Montag erklärte der Senat die Einzelfallprüfung für beendet, mit dem Ergebnis, dass ein Großteil der Registrierten in ihre Lager in den Herkunftsbundesländern zurück kehren muss, um dort gegebenenfalls abgeschoben zu werden. Außerdem wurde erklärt, dass die von der Vereinbarung Betroffenen und jetzt auch namentlich bekannten Refugee-Aktivisten aus ihren zugewiesenen Unterkünften ausziehen müssen - mit sofortiger Wirkung.

Das Lower Class Magazin hat das Thema ganz gut analysiert. Hier der Text und hier der Link (Fotos von Willi Effe):

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Wieder betrügt und demütigt der Berliner Senat Flüchtlinge. Wieder will keiner von den Polit-Arschlöchern dieser Republik die Forderungen der Refugees hören. Wieder soll ein massives Polizeiaufgebot das absichern. Und wieder erweisen wir uns zu schwach, dem etwas entgegenzusetzen.

Seit knapp zwei Jahren protestieren Geflüchtete aus dem ganzen Bundesgebiet gegen die deutsche Praxis der Residenzpflicht sowie gegen die Pflicht, in Wohnheimen leben zu müssen. Auch wenn die diversen Betreiberfirmen das Wort „Lager“ nicht gerne hören, so handelt es sich in den meisten Fällen genau um solche. Weit ab vom Schuss, ohne Kontaktmöglichkeiten zur normalen Bevölkerung, mit abgepacktem Plastikessen und ohne Beschäftigungsmöglichkeiten. Im Endeffekt sind die Zustände dort nicht viel besser, als in einem regulären Gefängnis, was dann wiederum die Frage aufwirft, warum das so sein muss.
Die Zustände mögen von Einrichtung zu Einrichtung unterschiedlich sein und in anderen europäischen Ländern sieht es nicht besser aus, trotzdem bleibt festzuhalten, dass man in Deutschland im Knast landet, wenn man die Frechheit besitzt, auf der Suche nach einer besseren Zukunft dieses Land hier zu betreten.

Wie groß war die Aufregung vor zwei oder drei Jahren, als Dänemark während der Hauptferienzeit laut darüber nachgedacht hat, wieder Grenzkontrollen einführen zu wollen? Während wir, als BewohnerInnen der ersten Welt, wie selbstverständlich voraussetzen, dass wir reisen dürfen, wohin auch immer unser Herz begehrt, gilt für einen Großteil der Weltbevölkerung, dass sie dort zu bleiben hat, wo das Glücksspiel der Geburt sie hinkatapultiert hat. Wer dagegen revoltiert, weg geht, flieht, stößt auf Mauern, Zäune und militärisch ausgerüstete Grenzwächteragenturen und wer auch diese Hindernisse überlebt hat, ist immer noch nicht am Ziel, sondern wird für diese Dreistigkeit auch noch bestraft und schikaniert.

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Die Tragödie um die europäische und internationale Flüchtlingspolitik ist der offensichtlichste Beweis dafür, dass der Kapitalismus ein absolut ungerechtes Dreckssystem ist.Eine kalte Maschine, der Einzelschicksale vollkommen gleichgültig sind, ein Mahlwerk, das läuft und läuft und jeden zerquetscht, der ihr unter die Räder kommt.
Anders lässt es sich nicht erklären, dass Springers Berliner Schmierenblatt B.Z. gestern mit der Schlagzeile „Hört das Flüchtlings-Theater denn niemals auf?“ einen Artikel zur aktuellen Entwicklung um den Berliner Refugee-Protest überschrieb. Ganz so, als wären die verzweifelten Menschen, die da auf einem Dach stehen und mit Selbstmord drohen, Darsteller einer etwas nervigen Streetperformance, über die man angewidert mit den Augen rollt. Man könnte kotzen über sie viel Borniertheit, handelt es sich bei der neuesten Eskalation der Flüchtlingsproteste schließlich um eine Reaktion auf die Verarschungspolitik des Berliner Senats, der im Gegenzug zur „friedlichen Räumung“ des Protestcamps auf dem Kreuzberger Oranienplatz und der Gerhart-Hauptmann-Schule so allerhand versprochen hat und nun alle Versprechen bricht. Waren die Vereinbarungen, die im April kurz vor der Räumung des O-Platzes, mit VertreterInnen der Refugees getroffen wurden, ohnehin recht vage, stellt sich nun heraus, dass der Senat offensichtlich zu keinem Zeitpunkt gewillt war, auch nur den kleinsten Teil der Zusagen auch wirklich umzusetzen.
Neben einer wohlwollenden Einzelfallprüfung, von der sich Asyl-ExpertInnen sowieso nichts erhofft haben, wurde den TeilnehmerInnen des Refugee Protests, die sich freiwillig bei den Behörden gemeldet und sich kooperativ gezeigt haben, versprochen, dass sie sechs Monate lang Sozialleistungen sowie eine Unterkunft bekämen.

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Nun gab der Berliner Senat am Montag bekannt, dass die Einzelfallprüfungen abgeschlossen seien und die Geflüchteten aus ihren Unterkünften auszuziehen haben. Mit einem Großaufgebot an Polizei setzten die Behörden dann auch Dienstag morgen gleichzeitig den Auszug mehrerer hundert Gefüchteter in drei unterschiedlichen Einrichtungen in Berlin durch, wobei es im Hostel an der Gürtelstraße im Berliner Bezirk Friedrichshain zu Protestaktionen kam. Mehrere Personen hatten sich aufs Dach des Hauses begeben, und drohten damit, sich in den Tod zu stürzen, falls die Polizei das Gebäude stürmt, was das Kampfblatt der bürgerlichen Presse dann wiederum als Theateraufführung interpretierte.
Wie viel Dreistigkeit und Lügen kann ein Mensch ertragen? Wie viel Respektlosigkeit und Demütigung? Dass Sozialsenatorin Dilek Kolat, die maßgeblich für die im April getroffene Einigung verantwortlich war, es mit ihren Zusagen nicht so genau nimmt, dürfte niemanden überraschen. Dass der Berliner Innensenator Frank Henkel, zu keinem Zeitpunkt gewillt war, diese lasche Vereinbarung überhaupt ernsthaft anzugehen, ebenfalls nicht. Dass es der gesamten politischen Klasse seit zwei Jahren scheißegal ist, was die protestierenden Refugees wollen, denken oder fordern ist offensichtlich. Seit zwei Jahren, seit zwanzig Jahren, seit der faktischen Abschaffung des Asylrechts in Deutschland bewegt sich nämlich überhaupt nichts in dieser Frage.

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Die Geflüchteten können sich auf den Kopf stellen, sie können hungern und ein Camp in der Mitte der Stadt errichten, als Stachel im Fleisch der Gesellschaft, sie können zu Tausenden im Mittelmeer ertrinken – es ändert sich nichts. Gar nichts. Ihre Bewegung wird ausgesessen, zerschlagen und korrumpiert. Dass es ausgerechnet dieselbe Gruppe war, die am Montag Nachmittag versuchte, den Oranienplatz wieder zu besetzen, die auch maßgeblich verantwortlich dafür war, dass er überhaupt abgerissen und „freiwillig“ geräumt wurde, ist nur eine ironische Fußnote in dieser Geschichte. Mit starker und rabiater Polizeipräsenz wurde sofort dagegen eingeschritten. Die anschließende Demo am Montag Abend war laut, stark, stimmungsvoll und mit rund Tausend TeilnehmerInnen auch gut besucht, doch bereits am Dienstag Abend fanden sich nur noch rund 400 Menschen zu einer gemeinsamen Demonstration am Frankfurter Tor ein. Die Taktik des Berliner Senats, das Movement zu zerstreuen, ihm die zentralen Orte zu nehmen und es eben doch zu „evicten“ droht also aufzugehen.


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Es gilt in diesem Sinne über neue Aktionsformen, Orte und Konzepte nachzudenken, um den Protest gegen die ungerechte und desolate europäische Flüchtlingspolitik aufrecht zu erhalten und den Forderungen der Geflüchteten Nachdruck zu verleihen. “Solidarität muss praktisch werden, Feuer und Flamme den Abschiebebehörden” nur zu rufen, könnte sich als zu wenig erweisen.

- Von Thomas Hunter


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Aug. 12 '14

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Aug. 9 '14

Abweichende Ansichten

Manchen Menschen glauben, der Krieg ist eine unausweichliche Naturkatastrophe. Sie glauben, seine Logik steckt in seinen glänzenden Raketen, den schicken Uniformen, den Orden, den sauberen Luftschlägen und dem Dröhnen der schweren Panzermotoren. Ihnen erscheint der Krieg als unabwendbare Tatsache. Man muss ihn hinnehmen und keine Macht der Welt kann ihn verhindern. Dabei ist der Krieg nur eins - ein Verhältnis zwischen Menschen.

Auch wenn die Waffen im Gazastreifen vorübergehend kurz geschwiegen haben und die israelischen Truppen als Sieger vom Platz gehen, eines dürfte sicher sein: Der Konflikt wird uns auch in absehbarer Zukunft begleiten. Durch den militärischen Sieg der israelischen Armee, hat diese eindeutig klar gemacht, was vorher als politisches Urteil der israelischen Regierung schon längst feststand. Die Hamas ist weder eine legitime Vertretung der Palästinenser im Gazastreifen, noch ein ebenbürtiger Gegner, sondern lediglich eine Horde von Terroristen, die es auszuräuchern und zu vernichten gilt. Der Kampfeinsatz der letzten Wochen war dann auch Urteil und Vollstreckung in einem und hatte nur ein Ziel, den Palästinensern ein weiteres mal zu zeigen, dass jeglicher Widerstand zwecklos ist und ihnen nur die bedingungslose Unterwerfung bleibt. Dass dies nach der Logik des Krieges zu einer neuen und größeren Eskalation führen wird, dürfte jedem klar sein, der nicht an die Erziehungsfähigkeit von Waffen und Bomben glaubt. In der Diskussion der letzten Wochen wurde gerade deutschen Diskussionsteilnehmern oft geraten, „als Deutsche einfach mal die Fresse zu halten“, wenn es um Israel und Palästina geht. Nun mag das aus geschichtlichen und moralischen Gründen auch seine Berechtigung haben, zu einer Sache allerdings können die Deutschen aber auf jeden Fall etwas sagen. Das mit der Erziehung durch Waffen und dem Wegbomben von unliebsamen Nachbarn, das geht nicht gut. Das haben die Deutschen probiert und es ging schief.
Nichtsdestotrotz wurde der Nahostkonflikt in den deutschen Medien und vor allem auch auf Facebook so vehement ausgetragen, als wäre der Krieg im eigenen Land angekommen. Kriegspropaganda von beiden Seiten hagelte auf uns ein. Die israelische Armee behauptete, die Hamas würde ihre Zivilbevölkerung als Schutzschild missbrauchen, während die Palästinenser die Israelis beschuldigten, gezielt Zivilisten zu töten. Weder das eine noch das andere stimmt. Im Endeffekt hatten beide Seiten die zivilen Opfer in ihre Kalkulation mit einbezogen. Die Hamas weil sie aufgrund der militärischen Unterlegenheit auf die Kraft der Bilder hoffen musste, die Israelische Armee, weil sie aufgrund der räumlichen Enge im Gazastreifen den Tod von Zivilisten als notwendiges Übel in Kauf nahm. Beide Versionen desselben Sachverhalts dienten immer nur dazu, zu zeigen, wie skrupellos die Gegenseite ist und den Krieg als das dazustellen, was er so gerne wäre: als gerecht und notwendig.

Anstatt diesem Wahnsinn Einhalt zu gebieten, überboten sich viele Diskussionsteilnehmer geradezu darin, die Propaganda genau der der Seite zu verbreiten, auf die sie sich geschlagen hatten. Und so wurde aus dem regionalen Konflikt, zumindest in den sozialen Medien, gleich der finale Clash der Zivilisationen. Am Ende ging es bei manchem Kommentar um nicht viel weniger als die Verteidigung der freien Welt gegen den rückständigen Islam. Dabei wurde auch in eindeutig linken Kreisen alles versucht, die reaktionäre Regierung von Benjamin Netanjahu als Bollwerk der Freiheit zu verkaufen, wo es sich bei diesem doch nur um eine Art Roland Koch mit Atombombe handelt. Alles was man hierzulande an der bürgerlichen Gesellschaft scheiße findet, wandelt sich im Licht des Israel-Palästina Konflikts zu zivilisatorischen Schätzen, die es auf Biegen und Brechen zu verteidigen gilt. Der Islam wird pauschal zur Terrorideologie herabgewürdigt und angesichts des wütenden Mobs, der antisemitische Parolen brüllt, heißt es selbstgefällig, man brauche keinen importierten Rassismus.
Vor allem zum letzten Punkt sollte sich die Linke ernsthaft Gedanken machen. Denn neben der Frage Israel oder Palästina – die wir abgesehen davon, hier in Deutschland sowieso nicht klären werden – stellt sich viel dringlicher die Frage: Wie gehen wir damit um?

Machen wir uns nichts vor, es gibt ein echtes Antisemitismusproblem unter muslimischen Migranten, das durch die schamhafte und tabuisierte Behandlung des Themas innerhalb der westeuropäischen und deutschen Gesellschaft verstärkt wird. Dass sich Teile der deutschen Linken aufgrund der aktuellen Ereignisse nun enttäuscht abwenden und in so etwas wie ein Thilo-Sarrazin-Syndrom verfallen, weißt allerdings auf ein etwas allgemeineres Problem hin: Sie lieben das Subjekt ihrer Befreiung einfach nicht. Die Migranten für deren Rechte man sich unbekannterweise nun jahrelang eingesetzt hat, entpuppen sich bei näherer Betrachtung als dieselben reaktionären Knochen, die man schon in der deutschen Unterschicht nicht leiden kann. Hat man sich in den letzten 20 Jahren gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus eingesetzt, hat man nun plötzlich angesichts der Antisemitismus-Frage keine Probleme damit, für eine Gesinnungsprüfung bei der Einreise einzutreten. Fast so, als gäbe es eine Art Diskriminierungsranking bei dem der Antisemitismus immer noch ganz oben zu stehen hat. Als Linke sollten wir uns an diesem Ranking allerdings nicht beteiligen, sondern uns mit den Fragen beschäftigen, die im Zuge der Diskussion aufgeworfen werden und scharf die Trennlinie zwischen Kritik an der israelischen Regierungspolitik und der westlichen Welt an sich auf der einen und Antisemitismus auf der anderen Seite ziehen. Ein Beitrag den die heuchlerische, doppelzüngige und verklemmte offizielle Politik nicht leisten kann. Denn was sollte ein deutscher Staatsmann einer jungen Migrantin erklären, die nicht verstehen kann, dass man den einen Staat im Namen von Freiheit und Demokratie in Schutt und Asche legt, während man sich den reaktionärsten Sklavenhalterstaat Saudi Arabien als engsten Verbündeten hält? Wie sollte eine Deutsche Staatsfrau auf den Vorwurf reagieren, wenn ihr ein Migrant vorhält, dass man Putin mit scharfen Sanktionen belegt, obwohl er aktuell keine Landstriche zerbombt hat, im Falle von Israel aber gar nichts passiert? Was sollte eine westliche Politikerin auf den Vorwurf erwidern, dass die Kampfeinsätze für Freiheit und Demokratie mehr Menschenleben gekostet haben, als das Leben ohne Freiheit und Demokratie? Was sollte ein Mitglied des UN-Sicherheitsrates auf die Frage antworten, wo der Unterschied zwischen einer getöteten Mutter aus Gaza und einer jüdischen Mutter liegt, die in einem KZ getötet wurde? Tot ist tot, oder? - Auf diese Fragen kann die offizielle Politik nicht antworten. Auf diese Fragen müssen wir antworten.

Gleichzeitig müssen wir uns aber auch mit den Widersprüchen der islamischen Welt beschäftigen und den politischen Islam bekämpfen, der ebenfalls voller Heuchelei und Bigotterie ist. Wo waren die Massendemonstrationen gegen die Regime in Jemen, Ägypten oder Syrien, als sie ihre eigene Bevölkerung abschlachteten? Wo sind die Demonstrationen gegen den Völkermord an den Yessiden durch die IS? Sind das etwas keine Menschen? Sterben hier nicht auch Tausende? Es ist schon klar, wenn es gegen die Juden geht, steht die Uma zusammen und entwickelt Kräfte, die sie zur Lösung ihrer eigenen Probleme nicht aufbringen möchte. Hier nicht die Judenfeindlichkeit sehen zu wollen, hieße blind zu sein.

Der Islamismus geriert sich gerne als revolutionär, einfach nur deshalb, weil er der westlichen Welt entgegensteht. Es ist schick, sich als muslimischer Bürgerschreck zu zeigen, doch keiner von denen die Allah Uakbar auf den Demonstrationen brüllen, will tatsächlich unter der Knute der Hamas leben. Kaum einer von ihnen will wirklich das angenehme Leben in der westlichen Konsumgesellschaft gegen das Terrorregime religiöser Hardliner eintauschen. Als scheinbare Alternative zu den verderbten westlichen Eliten gewinnt der politische Islam aber immer mehr Freunde. Er verurteilt das Zinsgeldsystem als eine Erfindung der Juden und schwimmt damit im Fahrwasser aktueller Verschwörungstheorien. Gegen diese Strömungen müssen wir zur Wehr setzen, genauso wie wir uns gegen die Ausbreitung aller anderen einfachen und verkürzten Lösungsvorschläge zur Wehr setzen müssen, die gerade weltweit auf dem Vormarsch sind und deren Muster immer dasselbe ist: Mit einem wie auch immer gearteten, geeinten und gesunden Volkskörper gegen die korrupten Eliten und Feinde von außen kämpfen.

Überall auf der Welt kommen die Irren aus ihren Löchern gekrochen und bieten genau diese Lösungsmodelle an. Faschisten und Rechtsextrme, konservative Kleriker und fundamentalistische Islamisten. Alle Welt schreit nach Krieg und einer neuen Moral. Junge Männer wenden sich dem Dschihad zu, um für irgendeinen imaginären Gottesstaat zu kämpfen. Der Nationalismus kommt als Gegenpol zu unübersichtlichen Globalisierung wieder groß in Mode. In der Ukraine ziehen sie für Volk und Vaterland in die Schlacht und Israel muss neben den Juden auch noch Demokratie, Menschenrechte und die Freiheit der westlichen Welt gegen die barbarischen Araber verteidigen. Die Rattenfänger haben Hochkonjunktur, weil alle Welt nach Klarheit verlangt. Dadurch, dass die Verhältnisse so kompliziert sind, haben die Menschen Sehnsucht nach einfachen Lösungen: Eindeutige Feinde – Eindeutige Ziele.

Und was tun wir? Statt die Verhältnisse wieder vom Kopf auf die Füße zu stellen und den wahren Feind zu benennen, rennen wir kopflos und verwirrt, wie aufgeschreckte Hühner herum. Statt Ausbeutung und Unterdrückung zu bekämpfen und eine echte Alternative zu entwickeln, zerfleischen wir uns selber in selbstgefälligen Grabenkämpfen. Kein Wunder, dass die Irren mit den festen Überzeugungen die Zügel in die Hand nehmen.

Zeit dass sich das ändert! Zeit dass sich was ändert! Zeit dass wir was ändern!

Aus dem Positionspapier der ARAB zum Gaza-Konflikt.


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Juli 28 '14
Back in Monte Carlo! #neednofilter #reich

Back in Monte Carlo! #neednofilter #reich


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Juli 15 '14

Was ich zum Nahost Konflikt sagen möchte …

Ich möchte die israelische Regierung für das Bombardement des Gazastreifen kritisieren, ohne dass ich mich sofort in Gesellschaft von fanatischen Judenhassern und professionellen Antisemiten befinden muss.

Ich möchte die deutschen Waffenexporte an Israel verhindern, wie ich alle Waffenexporte der BRD verhindern möchte, ohne mit Nazis, Verschwörungstheoretikern und radikalen Islamisten koalieren zu müssen.

Ich möchte Benjamin Netanjahu scheiße finden, ohne einen autoritären Sultan wie Recep Tayyip Erdoğan an meiner Seite zu wissen.

Ich möchte aufrichtig um die Kinder trauern, die bei den militärischen Operationen der Israelischen Armee ums Leben gekommen sind, ohne befürchten zu müssen, dass diese Trauer zur Kriegspropaganda verkommt.    

Ich möchte aufrichtig um die drei toten jüdischen Jugendlichen trauern, ohne mir gleich anhören zu müssen, dass da bestimmt der Mossad dahinter steckt.

Ich möchte aufrichtig um jeden einzelnen Menschen trauern, der in dieser unsinnigen Auseinandersetzung sein Leben verloren hat.

Ich möchte, dass jeder Mensch in dieser Region seine Nächte im Bett verbringen kann, anstatt im Bunker um sein Leben fürchten muss.

Ich möchte die Irren von der Hamas für ihre Raketen verurteilen, ohne dass mir unterstellt wird, ich hätte kein Herz für die Unterdrückten.

Ich möchte, dass ihr aufhört zu behaupten, dass keiner was zur Unrechtspolitik von Israel sagen darf, weil die Juden ja ohnehin alles machen dürften – das stimmt nicht. Alle reden darüber und meine Timeline ist voll mit Kommentaren zum Gazastreifen.

Ich möchte, dass ihr aufhört, Euren beschissenen Antisemitismus hinter eurem schlecht getarnten Antizionismus zu verstecken. (… und kommt mir jetzt nicht mit dieser Spitzfindigkeit, dass auch Araber Semiten sind blablabla. Ihr wisst genau, was ich meine.)

Ich möchte, dass Ihr ein für allemal aufhört, die beschissene Politik einer einzelnen Regierung immer im Zusammenhang mit irgendwelchen angeblichen Welteroberungsplänen einer Religionsgemeinschaft zu vermengen.

Ich möchte nicht, dass die Anhänger einer bestimmten Religionsgemeinschaft weltweit um ihr Leben fürchten müssen, weil irgendeine nationale Regierung eine beschissene Politik macht.

Ich möchte, dass die beschissene Politik einer einzelnen Regierung als das gesehen wird, was sie ist: Als Brückenkopf einer imperialistischen und kolonialistischen Politik des Westens.  

Ich möchte, dass wir, wenn wir von Palästina und Israel sprechen, auch immer von der ungleichen Verteilung von Reichtum sprechen. Das alles hat viel mehr damit zu tun, dass die einen nur einen Liter Wasser am Tag zur Verfügung haben und die anderen acht, die einen bitterarm sind und die anderen im Durschnitt 30.000 Dollar pro Jahr verdienen, die einen in der Dritten Welt leben und die anderen, 15 Kilometer weiter, in der ersten.

Ich möchte, dass diese Region, mit ihren kulturellen und zivilisatorischen Schätzen, endlich einmal ihr volles Potenzial ausschöpfen kann, ohne ständig in dieser permanenten Selbstzerfleischung zu erstarren.

Ich möchte nicht mit vorwurfsvollem Ton gefragt werden, warum ich mich nicht zum Nahost-Konflikt äußere, wo ich mich doch sonst zu allem und jedem äußere. Manchmal bin ich einfach zu traurig und frustriert, als dass ich mich angesichts des ganzen Irrsinns dazu äußern möchte.

Ich möchte nicht gefragt werden, ob ich mich nur für die Flüchtlinge hierzulande einsetzen würde und die Beschießung von palästinensischen Flüchtlingslagern gutheißen würde. Nein, auch ich finde die Beschießung von Flüchtlingslagern eine Katastrophe, doch am liebsten hätte ich es, wenn es gar keine Flüchtlinge und Flüchtlingslager geben müsste.

Ich möchte mich nicht immer positionieren müssen, nur um auf die Fresse zu bekommen, erstens weil ich sowieso nicht daran glaube, dass wir den Nahost-Konflikt in Berlin lösen können und zweitens weil man in dieser Sache ohnehin immer genau dann richtig steht, wenn man von allen Seiten auf die Fresse bekommt.   

Ich möchte die Unverhältnismäßigkeit der israelischen Militäroperation anprangern, ohne die ganze Zeit Statistiken vorgehalten bekommen, die mir zeigen, in welchem Verhältnis Israelis und Palästinenser getötet wurden. Ich halte nichts von dieser Art von Bodycount, wenn ich befürchten muss, dass die Statistik genau andersherum aussehen würde, wäre Israel nicht dieses zu allem bereite, aggressive, hochgerüstete Ungetüm.

Ich möchte, dass die arabische und muslimische Gemeinschaft uneingeschränkt für die Sicherheit der Israelis und Juden garantiert, so dass Israel nicht mehr dieses aggressive, hochgerüstete und waffenstarrende Ungetüm sein muss.

Ich möchte solidarisch sein mit der geschundenen palästinensischen Bevölkerung, ohne gleichzeitig an das reaktionäre Regime der Hamas denken zu müssen.

Ich möchte, dass die israelischen Soldaten aufhören Kinder und Jugendliche zu drangsalieren, weil mir schlecht davon wird, wenn ich sehe, wie viel Hass dabei entsteht. Hass, der zurück kommen wird.

Ich möchte mich nicht dazu äußern müssen, warum es den Staat Israel überhaupt gibt. Vielleicht war es gemäß des Völkerrechts Recht  ihn dort zu gründen, vielleicht war es Unrecht. Fakt ist, dass es diesen Staat gibt und jeder Mensch ein Existenzrecht hat, egal wo er sich aufhält, ohne Angst haben zu müssen, ins Meer geworfen zu werden.

Ich möchte, dass sich das aus der Not geborene völkische, israelische Apartheidsystem selbst auflöst, weil völkische Nationalstaaten überflüssig werden und eine echte Aussöhnung beginnen kann. 

Ich möchte in einer befreiten Gesellschaft aufwachen, in der die  Nationalstaaten ein für allemal der Vergangenheit angehören und auf dem Müllhaufen der Geschichte entsorgt werden. Nie wieder Deutschland, nie wieder Israel, nie wieder Palästina.

Ich möchte, dass irgendwelche Territorial-Flaggen irgendwann tatsächlich nur noch etwas mit Fußballweltmeisterschaften zu tun haben und ansonsten gar nichts bedeuten.

Ich möchte in naher Zukunft eine Mannschaft aus dem Vorderen Orient oder Mesopotamien sehen, in der Menschen mit kurdischer, arabischer, persischer oder sonstiger Herkunft sowie mit jüdischem und muslimischem oder ganz ohne Glauben spielen.

 Ich möchte, dass dieser Wahnsinn endlich aufhört.

Anmerkung: In diesem Text wurden mehrere Begriffe ausgetauscht, die zu Missverständnissen führen können oder stereotype Vorurteile bedienen. Ich habe mich bemüht, diese zu vermeiden, allerdings ist mir das in einem Text, in dem jedes Wort auf die Goldwaage gelegt wird, nicht immer gelungen. Aus diesem Grund bitte ich um Verständnis.


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Juli 7 '14

Warum ich mich für die Rechte von Geflüchteten einsetze und die Politik nicht.

Nach unserer letzten VICE Reportage, für die wir ansonsten viel Lob bekommen haben, musste ich mir auch ein paar kritische Fragen gefallen lassen. Abgesehen davon, dass in all diesen Kommentaren auch immer eine generelle Ausländerfeindlichkeit zu spüren ist, beschäftigten sie sich vor allem mit dem sogenannten „Gutmenschentum“, das mich und andere Flüchtlings-Supporter antreiben würde. „Wie viele Flüchtlinge hat denn Staiger bei sich zu Hause aufgenommen?“ hieß es da und an anderer Stelle: „Unerträglich wie da ein paar Mittelstands-Akademiker-Kinder die Situation der Flüchtlinge ausnutzen, nur um ihren eigenen Film fahren zu können.“ Dieser Film bestand dann nach Meinung der Kommentatoren darin, tagelang vor der besetzten Gerhart Hauptmann Schule auszuharren, um endlich einmal so richtig ausgiebig gegen die massive Polizeipräsenz demonstrieren zu dürfen. Aus all diesen abfälligen Bemerkungen gegenüber den deutschen Unterstützern lese ich neben der persönlichen Häme folgende Gedanken:

Was wollen diese protestierenden Flüchtlinge eigentlich? Die sollen mal froh sein, dass sie überhaupt hier sein dürfen, denn da wo sie herkommen ist es noch schlimmer und hier haben sie wenigstens ein Dach über dem Kopf und was zu essen. Unmöglich, dass sie sich auch noch über ein Land beschweren, das ihnen geholfen hat. Die sollen mal die Fresse halten und wenn es ihnen hier nicht gefällt, dann sollen sie doch wieder abhauen. Die sollen mal dankbar sein.

An dieser Stelle verrate ich Euch ein Geheimnis: Das sind sie sogar. Die Geflüchteten, die ich kennen gelernt habe sind diesem Land tatsächlich dankbar dafür, dass sie hier erst einmal in Sicherheit sind. Sie sind dankbar dafür, dass sie ein Dach über dem Kopf haben, dass sie ein Bett zugewiesen bekommen und dass sie nicht mehr unmittelbar vom Tod, bedroht sind, sei es aus Armutsgründen oder weil sie politisch verfolgt wurden. Sie sind sogar so dankbar, dass sie gleich heute aufstehen würden, um ihre Flüchtlingsunterkünfte zu verlassen und sich eine Arbeit zu suchen. Sie sind diesem Land so dankbar, dass sie nur allzugern beweisen würden, dass sie für sich selbst sorgen können und diesem Staat nicht mehr auf der Tasche liegen müssen. Aber genau das dürfen sie nicht. Diese Menschen werden gezwungen, in ihren Unterkünften zu bleiben, dreimal am Tag abgepacktes Essen entgegen zu nehmen und ansonsten nichts zu tun. Einmal in der Woche gibt es Deutschunterricht, aber da die Unterkünfte meist nicht allzu zentral gelegen sind, gibt es auch wenig Möglichkeiten das Erlernte anzuwenden. Böse Zungen nennen diese Unterkünfte „Lager“ – und warum? Weil sie genau das sind. Diese Lager sind mehr oder weniger Gefängnisse, irgendwo in der Pampa, außerhalb der Städte, in denen die Menschen gezwungen werden, vor sich hin zu vegetieren – ein halbes Jahr, ein Jahr, zwei Jahre, drei Jahre. Teilweise verharren Geflüchtete seit über zehn Jahren in solchen Heimen. Sie kommen hierher und werden ins Gefängnis gesteckt. Warum? Wofür? Weil sie sich bewegt haben? Weil sie hierher gekommen sind? Normalerweise verurteilt man jemanden zu einer Gefängnisstrafe, wenn er oder sie ein Verbrechen begangen hat. Abgesehen davon, dass ich vom Prinzip der Gefängnisstrafe auch nicht all zu viel halte – welches Verbrechen haben diese Menschen begangen? Das Verbrechen im falschen Land geboren worden zu sein? Das Verbrechen, sich auf den Weg gemacht zu haben, in der Hoffnung, in einem anderen Land könnte es einem vielleicht besser gehen? Das Verbrechen arm zu sein? Das Verbrechen Hunger gehabt zu haben? Oder das Verbrechen, zufälligerweise im falschen Land Gastarbeiter gewesen zu sein, das zufälligerweise dann von der NATO bombardiert wurde, woraufhin man ins Meer getrieben wurde, wie es Tausenden von Afrikanern ergangen ist, die von südlich der Sahara kamen, um in Libyen zu arbeiten? Für welches Verbrechen sitzen diese Menschen nochmal in ihren Lagern?  Und dann sollen sie nicht aufstehen und sich beschweren?  Sie sollen sich nicht darüber beschweren, dass sie sich nicht frei bewegen, nicht arbeiten, nicht lernen, nicht leben dürfen?

Ganz selbstverständlich setzen wir es voraus, dass wir uns auf dieser Welt frei und uneingeschränkt bewegen dürfen und finden es schon ziemlich befremdlich, wenn wir für die Einreise in manche Länder ein Visum beantragen müssen. Warum nochmal finden wir das selbstverständlich? Weil wir zufälligerweise im richtigen Land geboren sind und zufälligerweise den richtigen Pass haben? Aber so ist es halt, oder? Manche haben Glück und manche haben Pech. Diese Art von Glücksspiel abzulehnen, macht mich, macht uns also zu weltfremden Gutmenschen? Na denn – Gutmensch in your face, ihr Idioten.

Aber der Wahnsinn hat Methode und entspricht dem allgemeinen Konsens, denn was spricht eigentlich dagegen, dass wir Menschen in Not hier aufnehmen? Manch einem ist es vielleicht unangenehm, dass so viele Fremde hier sind, weil er oder sie sich um das Bio-Deutsche Kartoffel-Erbgut und die dazugehörige Identität Gedanken macht und er oder sie Angst hat, dass der stabile Deutsche aussterben könnte – nun gut, irrationale Glaubensmodelle sind hoch im Kurs und was soll man dazu sagen, in einem Europa, dass sich seit Jahrhunderten immer wieder durchmischt hat und fremdes Erbgut eigentlich ganz gut als Bereicherung wegstecken konnte?! Aber wie auch immer - das meistgehörte Argument in diesem Zusammenhang lautet, dass wir es uns schlichtweg nicht leisten können, immer mehr Menschen aufzunehmen, weil wir ja schließlich nicht das Sozialamt der Welt sein können. Diese Gedanke ist insofern richtig, insofern dieses System so läuft, wie dieses System eben läuft. So lange es so ist, wie es ist, werden unsere Sozialsysteme den anwachsenden Flüchtlingsstrom tatsächlich nicht verkraften und zusammen brechen. Andersherum allerdings gefragt, könnte man aber auch die Frage stellen, was genau daran wir uns eigentlich nicht leisten können (und ich will jetzt noch nicht einmal darauf herumhacken, dass allein der tagelange Polizeieinsatz in Kreuzberg anscheinend 5 Millionen gekostet hat) – was also können wir uns nicht leisten? Haben wir zu wenig Lebensmittel um diese Menschen zu versorgen? – Angesichts der Tatsache, dass wir jeden Tag so undsoviele Tonnen Lebensmittel vernichten, wohl eher nicht. Haben wir zu wenig Wohnraum? – Ja, wir haben zu wenig bezahlbaren Wohnraum, vor allem in den Innenstädten der großen Metropolen, allerdings steht auch genug Wohnraum leer, vor allem in ländlichen Gebieten. Und warum stehen dort die Häuser leer? Weil die Menschen dort keine Arbeit mehr finden – und jetzt nähern wir uns dem eigentlichen Kern des Problems, um den sich letztendlich alles dreht – weil die Menschen dort keine BEZAHLTE Arbeit finden. Zu tun gäbe es auf dem Land und in strukturschwachen Regionen zwar genug, aber leider findet sich dort keiner, der diese Arbeit bezahlen will. Und da es im Kapitalismus gar nicht darum geht, ob eine Arbeit sinnvoll ist oder nicht, sondern ausschließlich darum, ob sich die Arbeit für den Kapitalisten lohnt und Gewinn abwirft – gibt es dort ganz einfach keine Arbeit. Und weil es sich ingesamt nicht mehr so richtig lohnt in Arbeit zu investieren, fehlt insgesamt in Deutschland und in der gesamten westlichen Welt Arbeit. Bezahlte Arbeit, Arbeit, die sich also für einen Kapitalisten lohnt, ist ein knappes Gut geworden in dieser Gesellschaft, um das man sich prügeln muss und da können wir es uns leider nicht leisten, die anderen mit rein zu lassen.

Das ist verrückt, denn eigentlich müsste jede Gesellschaft und besonders unsere überalterte Gesellschaft froh sein, dass sich weltweit junge motivierte Menschen auf den Weg machen, um uns zur Hand zu gehen. Eigentlich müssten wir in Jubelstürme ausbrechen, wenn wir daran denken, dass wir Unterstützung bekommen: „Geil! Mehr Leute. Schneller fertig mit der Arbeit. Mehr Freizeit. Weniger Stress.“ Produzierte Güter haben wir ja ohnehin mehr als genug, an dem sollte es also nicht scheitern und in so vielen Bereichen wie Krankenpflege, Altenpflege, Kindererziehung fehlen Leute. Zu tun gibt es mehr als genug, doch so läuft der Hase nicht. Wenn wir so anfangen würden zu denken, dann würde ja keiner mehr Gewinn machen und Gewinn muss gemacht werden – warum nochmal? Und so streiten wir uns darum, uns möglichst gut von den Kapitalisten und Unternehmungen mit sehr viel Geld ausbeuten zu lassen und fürchten diejenigen, die sich vielleicht noch besser ausbeuten lassen könnten. Wir verteidigen unsere Ausbeutungsverhältnisse, unsere bekloppten Tätigkeiten, die wir in den meisten Fällen auch noch für hochgradig sinnlos halten, nur weil sie die einzige Lebensgrundlage darstellen, mit der wir unser Leben finanzieren. Warum das so ist? – Darüber sollten wir uns mal bei Gelegenheit Gedanken machen.

Bis dahin werde ich auch weiterhin auf die Straße gehen und mich für Menschen einsetzen, die im großen Würfelspiel des Lebens mit den beschisseneren Würfeln spielen müssen, wenn sie überhaupt welche bekommen. Weil ich es einfach nicht akzeptieren will, dass das Leben ein Glücksspiel sein soll.

In diesem Sinn, auf bald.

Staiger 

PS: An dieser Stelle möchte ich mich ausdrücklich bei unserem Team von der VICE bedanken, ohne das die besagte Reportage nicht zustande gekommen wäre. Danke!


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Juli 5 '14

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Juli 2 '14
80is Protestkultur 3/3

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Juli 2 '14
80is Protestkultur 2/3

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Juli 2 '14
80is Protestkultur 1/3

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Juni 26 '14

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Juni 24 '14
Polizei sichert mit einem Großaufgebot den “freiwilligen Umzug” der Refugees aus der besetzten Schule. Keine Presse erlaubt.

Polizei sichert mit einem Großaufgebot den “freiwilligen Umzug” der Refugees aus der besetzten Schule. Keine Presse erlaubt.


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Juni 24 '14

Weiteres wunderbares Video von Balbina. Power!

Regie von Maeckes. Auch sehr geil!


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Juni 11 '14
Trotzdem gut

Trotzdem gut


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