Staiger der Observer

Blog für Politik, Zeitgeschehen und Unterhaltungskultur. Große Literatur und niedere Instinkte. Fotos, Schnipsel und Reportagen vom Rande der Gesellschaft. No Fear!
Juli 28 '14
Back in Monte Carlo! #neednofilter #reich

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Juli 15 '14

Was ich zum Nahost Konflikt sagen möchte …

Ich möchte die israelische Regierung für das Bombardement des Gazastreifen kritisieren, ohne dass ich mich sofort in Gesellschaft von fanatischen Judenhassern und professionellen Antisemiten befinden muss.

Ich möchte die deutschen Waffenexporte an Israel verhindern, wie ich alle Waffenexporte der BRD verhindern möchte, ohne mit Nazis, Verschwörungstheoretikern und radikalen Islamisten koalieren zu müssen.

Ich möchte Benjamin Netanjahu scheiße finden, ohne einen autoritären Sultan wie Recep Tayyip Erdoğan an meiner Seite zu wissen.

Ich möchte aufrichtig um die Kinder trauern, die bei den militärischen Operationen der Israelischen Armee ums Leben gekommen sind, ohne befürchten zu müssen, dass diese Trauer zur Kriegspropaganda verkommt.    

Ich möchte aufrichtig um die drei toten jüdischen Jugendlichen trauern, ohne mir gleich anhören zu müssen, dass da bestimmt der Mossad dahinter steckt.

Ich möchte aufrichtig um jeden einzelnen Menschen trauern, der in dieser unsinnigen Auseinandersetzung sein Leben verloren hat.

Ich möchte, dass jeder Mensch in dieser Region seine Nächte im Bett verbringen kann, anstatt im Bunker um sein Leben fürchten muss.

Ich möchte die Irren von der Hamas für ihre Raketen verurteilen, ohne dass mir unterstellt wird, ich hätte kein Herz für die Unterdrückten.

Ich möchte, dass ihr aufhört zu behaupten, dass keiner was zur Unrechtspolitik von Israel sagen darf, weil die Juden ja ohnehin alles machen dürften – das stimmt nicht. Alle reden darüber und meine Timeline ist voll mit Kommentaren zum Gazastreifen.

Ich möchte, dass ihr aufhört, Euren beschissenen Antisemitismus hinter eurem schlecht getarnten Antizionismus zu verstecken. (… und kommt mir jetzt nicht mit dieser Spitzfindigkeit, dass auch Araber Semiten sind blablabla. Ihr wisst genau, was ich meine.)

Ich möchte, dass Ihr ein für allemal aufhört, die beschissene Politik einer einzelnen Regierung immer im Zusammenhang mit irgendwelchen angeblichen Welteroberungsplänen einer Religionsgemeinschaft zu vermengen.

Ich möchte nicht, dass die Anhänger einer bestimmten Religionsgemeinschaft weltweit um ihr Leben fürchten müssen, weil irgendeine nationale Regierung eine beschissene Politik macht.

Ich möchte, dass die beschissene Politik einer einzelnen Regierung als das gesehen wird, was sie ist: Als Brückenkopf einer imperialistischen und kolonialistischen Politik des Westens.  

Ich möchte, dass wir, wenn wir von Palästina und Israel sprechen, auch immer von der ungleichen Verteilung von Reichtum sprechen. Das alles hat viel mehr damit zu tun, dass die einen nur einen Liter Wasser am Tag zur Verfügung haben und die anderen acht, die einen bitterarm sind und die anderen im Durschnitt 30.000 Dollar pro Jahr verdienen, die einen in der Dritten Welt leben und die anderen, 15 Kilometer weiter, in der ersten.

Ich möchte, dass diese Region, mit ihren kulturellen und zivilisatorischen Schätzen, endlich einmal ihr volles Potenzial ausschöpfen kann, ohne ständig in dieser permanenten Selbstzerfleischung zu erstarren.

Ich möchte nicht mit vorwurfsvollem Ton gefragt werden, warum ich mich nicht zum Nahost-Konflikt äußere, wo ich mich doch sonst zu allem und jedem äußere. Manchmal bin ich einfach zu traurig und frustriert, als dass ich mich angesichts des ganzen Irrsinns dazu äußern möchte.

Ich möchte nicht gefragt werden, ob ich mich nur für die Flüchtlinge hierzulande einsetzen würde und die Beschießung von palästinensischen Flüchtlingslagern gutheißen würde. Nein, auch ich finde die Beschießung von Flüchtlingslagern eine Katastrophe, doch am liebsten hätte ich es, wenn es gar keine Flüchtlinge und Flüchtlingslager geben müsste.

Ich möchte mich nicht immer positionieren müssen, nur um auf die Fresse zu bekommen, erstens weil ich sowieso nicht daran glaube, dass wir den Nahost-Konflikt in Berlin lösen können und zweitens weil man in dieser Sache ohnehin immer genau dann richtig steht, wenn man von allen Seiten auf die Fresse bekommt.   

Ich möchte die Unverhältnismäßigkeit der israelischen Militäroperation anprangern, ohne die ganze Zeit Statistiken vorgehalten bekommen, die mir zeigen, in welchem Verhältnis Israelis und Palästinenser getötet wurden. Ich halte nichts von dieser Art von Bodycount, wenn ich befürchten muss, dass die Statistik genau andersherum aussehen würde, wäre Israel nicht dieses zu allem bereite, aggressive, hochgerüstete Ungetüm.

Ich möchte, dass die arabische und muslimische Gemeinschaft uneingeschränkt für die Sicherheit der Israelis und Juden garantiert, so dass Israel nicht mehr dieses aggressive, hochgerüstete und waffenstarrende Ungetüm sein muss.

Ich möchte solidarisch sein mit der geschundenen palästinensischen Bevölkerung, ohne gleichzeitig an das reaktionäre Regime der Hamas denken zu müssen.

Ich möchte, dass die israelischen Soldaten aufhören Kinder und Jugendliche zu drangsalieren, weil mir schlecht davon wird, wenn ich sehe, wie viel Hass dabei entsteht. Hass, der zurück kommen wird.

Ich möchte mich nicht dazu äußern müssen, warum es den Staat Israel überhaupt gibt. Vielleicht war es gemäß des Völkerrechts Recht  ihn dort zu gründen, vielleicht war es Unrecht. Fakt ist, dass es diesen Staat gibt und jeder Mensch ein Existenzrecht hat, egal wo er sich aufhält, ohne Angst haben zu müssen, ins Meer geworfen zu werden.

Ich möchte, dass sich das aus der Not geborene völkische, israelische Apartheidsystem selbst auflöst, weil völkische Nationalstaaten überflüssig werden und eine echte Aussöhnung beginnen kann. 

Ich möchte in einer befreiten Gesellschaft aufwachen, in der die  Nationalstaaten ein für allemal der Vergangenheit angehören und auf dem Müllhaufen der Geschichte entsorgt werden. Nie wieder Deutschland, nie wieder Israel, nie wieder Palästina.

Ich möchte, dass irgendwelche Territorial-Flaggen irgendwann tatsächlich nur noch etwas mit Fußballweltmeisterschaften zu tun haben und ansonsten gar nichts bedeuten.

Ich möchte in naher Zukunft eine Mannschaft aus dem Vorderen Orient oder Mesopotamien sehen, in der Menschen mit kurdischer, arabischer, persischer oder sonstiger Herkunft sowie mit jüdischem und muslimischem oder ganz ohne Glauben spielen.

 Ich möchte, dass dieser Wahnsinn endlich aufhört.

Anmerkung: In diesem Text wurden mehrere Begriffe ausgetauscht, die zu Missverständnissen führen können oder stereotype Vorurteile bedienen. Ich habe mich bemüht, diese zu vermeiden, allerdings ist mir das in einem Text, in dem jedes Wort auf die Goldwaage gelegt wird, nicht immer gelungen. Aus diesem Grund bitte ich um Verständnis.


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Juli 7 '14

Warum ich mich für die Rechte von Geflüchteten einsetze und die Politik nicht.

Nach unserer letzten VICE Reportage, für die wir ansonsten viel Lob bekommen haben, musste ich mir auch ein paar kritische Fragen gefallen lassen. Abgesehen davon, dass in all diesen Kommentaren auch immer eine generelle Ausländerfeindlichkeit zu spüren ist, beschäftigten sie sich vor allem mit dem sogenannten „Gutmenschentum“, das mich und andere Flüchtlings-Supporter antreiben würde. „Wie viele Flüchtlinge hat denn Staiger bei sich zu Hause aufgenommen?“ hieß es da und an anderer Stelle: „Unerträglich wie da ein paar Mittelstands-Akademiker-Kinder die Situation der Flüchtlinge ausnutzen, nur um ihren eigenen Film fahren zu können.“ Dieser Film bestand dann nach Meinung der Kommentatoren darin, tagelang vor der besetzten Gerhart Hauptmann Schule auszuharren, um endlich einmal so richtig ausgiebig gegen die massive Polizeipräsenz demonstrieren zu dürfen. Aus all diesen abfälligen Bemerkungen gegenüber den deutschen Unterstützern lese ich neben der persönlichen Häme folgende Gedanken:

Was wollen diese protestierenden Flüchtlinge eigentlich? Die sollen mal froh sein, dass sie überhaupt hier sein dürfen, denn da wo sie herkommen ist es noch schlimmer und hier haben sie wenigstens ein Dach über dem Kopf und was zu essen. Unmöglich, dass sie sich auch noch über ein Land beschweren, das ihnen geholfen hat. Die sollen mal die Fresse halten und wenn es ihnen hier nicht gefällt, dann sollen sie doch wieder abhauen. Die sollen mal dankbar sein.

An dieser Stelle verrate ich Euch ein Geheimnis: Das sind sie sogar. Die Geflüchteten, die ich kennen gelernt habe sind diesem Land tatsächlich dankbar dafür, dass sie hier erst einmal in Sicherheit sind. Sie sind dankbar dafür, dass sie ein Dach über dem Kopf haben, dass sie ein Bett zugewiesen bekommen und dass sie nicht mehr unmittelbar vom Tod, bedroht sind, sei es aus Armutsgründen oder weil sie politisch verfolgt wurden. Sie sind sogar so dankbar, dass sie gleich heute aufstehen würden, um ihre Flüchtlingsunterkünfte zu verlassen und sich eine Arbeit zu suchen. Sie sind diesem Land so dankbar, dass sie nur allzugern beweisen würden, dass sie für sich selbst sorgen können und diesem Staat nicht mehr auf der Tasche liegen müssen. Aber genau das dürfen sie nicht. Diese Menschen werden gezwungen, in ihren Unterkünften zu bleiben, dreimal am Tag abgepacktes Essen entgegen zu nehmen und ansonsten nichts zu tun. Einmal in der Woche gibt es Deutschunterricht, aber da die Unterkünfte meist nicht allzu zentral gelegen sind, gibt es auch wenig Möglichkeiten das Erlernte anzuwenden. Böse Zungen nennen diese Unterkünfte „Lager“ – und warum? Weil sie genau das sind. Diese Lager sind mehr oder weniger Gefängnisse, irgendwo in der Pampa, außerhalb der Städte, in denen die Menschen gezwungen werden, vor sich hin zu vegetieren – ein halbes Jahr, ein Jahr, zwei Jahre, drei Jahre. Teilweise verharren Geflüchtete seit über zehn Jahren in solchen Heimen. Sie kommen hierher und werden ins Gefängnis gesteckt. Warum? Wofür? Weil sie sich bewegt haben? Weil sie hierher gekommen sind? Normalerweise verurteilt man jemanden zu einer Gefängnisstrafe, wenn er oder sie ein Verbrechen begangen hat. Abgesehen davon, dass ich vom Prinzip der Gefängnisstrafe auch nicht all zu viel halte – welches Verbrechen haben diese Menschen begangen? Das Verbrechen im falschen Land geboren worden zu sein? Das Verbrechen, sich auf den Weg gemacht zu haben, in der Hoffnung, in einem anderen Land könnte es einem vielleicht besser gehen? Das Verbrechen arm zu sein? Das Verbrechen Hunger gehabt zu haben? Oder das Verbrechen, zufälligerweise im falschen Land Gastarbeiter gewesen zu sein, das zufälligerweise dann von der NATO bombardiert wurde, woraufhin man ins Meer getrieben wurde, wie es Tausenden von Afrikanern ergangen ist, die von südlich der Sahara kamen, um in Libyen zu arbeiten? Für welches Verbrechen sitzen diese Menschen nochmal in ihren Lagern?  Und dann sollen sie nicht aufstehen und sich beschweren?  Sie sollen sich nicht darüber beschweren, dass sie sich nicht frei bewegen, nicht arbeiten, nicht lernen, nicht leben dürfen?

Ganz selbstverständlich setzen wir es voraus, dass wir uns auf dieser Welt frei und uneingeschränkt bewegen dürfen und finden es schon ziemlich befremdlich, wenn wir für die Einreise in manche Länder ein Visum beantragen müssen. Warum nochmal finden wir das selbstverständlich? Weil wir zufälligerweise im richtigen Land geboren sind und zufälligerweise den richtigen Pass haben? Aber so ist es halt, oder? Manche haben Glück und manche haben Pech. Diese Art von Glücksspiel abzulehnen, macht mich, macht uns also zu weltfremden Gutmenschen? Na denn – Gutmensch in your face, ihr Idioten.

Aber der Wahnsinn hat Methode und entspricht dem allgemeinen Konsens, denn was spricht eigentlich dagegen, dass wir Menschen in Not hier aufnehmen? Manch einem ist es vielleicht unangenehm, dass so viele Fremde hier sind, weil er oder sie sich um das Bio-Deutsche Kartoffel-Erbgut und die dazugehörige Identität Gedanken macht und er oder sie Angst hat, dass der stabile Deutsche aussterben könnte – nun gut, irrationale Glaubensmodelle sind hoch im Kurs und was soll man dazu sagen, in einem Europa, dass sich seit Jahrhunderten immer wieder durchmischt hat und fremdes Erbgut eigentlich ganz gut als Bereicherung wegstecken konnte?! Aber wie auch immer - das meistgehörte Argument in diesem Zusammenhang lautet, dass wir es uns schlichtweg nicht leisten können, immer mehr Menschen aufzunehmen, weil wir ja schließlich nicht das Sozialamt der Welt sein können. Diese Gedanke ist insofern richtig, insofern dieses System so läuft, wie dieses System eben läuft. So lange es so ist, wie es ist, werden unsere Sozialsysteme den anwachsenden Flüchtlingsstrom tatsächlich nicht verkraften und zusammen brechen. Andersherum allerdings gefragt, könnte man aber auch die Frage stellen, was genau daran wir uns eigentlich nicht leisten können (und ich will jetzt noch nicht einmal darauf herumhacken, dass allein der tagelange Polizeieinsatz in Kreuzberg anscheinend 5 Millionen gekostet hat) – was also können wir uns nicht leisten? Haben wir zu wenig Lebensmittel um diese Menschen zu versorgen? – Angesichts der Tatsache, dass wir jeden Tag so undsoviele Tonnen Lebensmittel vernichten, wohl eher nicht. Haben wir zu wenig Wohnraum? – Ja, wir haben zu wenig bezahlbaren Wohnraum, vor allem in den Innenstädten der großen Metropolen, allerdings steht auch genug Wohnraum leer, vor allem in ländlichen Gebieten. Und warum stehen dort die Häuser leer? Weil die Menschen dort keine Arbeit mehr finden – und jetzt nähern wir uns dem eigentlichen Kern des Problems, um den sich letztendlich alles dreht – weil die Menschen dort keine BEZAHLTE Arbeit finden. Zu tun gäbe es auf dem Land und in strukturschwachen Regionen zwar genug, aber leider findet sich dort keiner, der diese Arbeit bezahlen will. Und da es im Kapitalismus gar nicht darum geht, ob eine Arbeit sinnvoll ist oder nicht, sondern ausschließlich darum, ob sich die Arbeit für den Kapitalisten lohnt und Gewinn abwirft – gibt es dort ganz einfach keine Arbeit. Und weil es sich ingesamt nicht mehr so richtig lohnt in Arbeit zu investieren, fehlt insgesamt in Deutschland und in der gesamten westlichen Welt Arbeit. Bezahlte Arbeit, Arbeit, die sich also für einen Kapitalisten lohnt, ist ein knappes Gut geworden in dieser Gesellschaft, um das man sich prügeln muss und da können wir es uns leider nicht leisten, die anderen mit rein zu lassen.

Das ist verrückt, denn eigentlich müsste jede Gesellschaft und besonders unsere überalterte Gesellschaft froh sein, dass sich weltweit junge motivierte Menschen auf den Weg machen, um uns zur Hand zu gehen. Eigentlich müssten wir in Jubelstürme ausbrechen, wenn wir daran denken, dass wir Unterstützung bekommen: „Geil! Mehr Leute. Schneller fertig mit der Arbeit. Mehr Freizeit. Weniger Stress.“ Produzierte Güter haben wir ja ohnehin mehr als genug, an dem sollte es also nicht scheitern und in so vielen Bereichen wie Krankenpflege, Altenpflege, Kindererziehung fehlen Leute. Zu tun gibt es mehr als genug, doch so läuft der Hase nicht. Wenn wir so anfangen würden zu denken, dann würde ja keiner mehr Gewinn machen und Gewinn muss gemacht werden – warum nochmal? Und so streiten wir uns darum, uns möglichst gut von den Kapitalisten und Unternehmungen mit sehr viel Geld ausbeuten zu lassen und fürchten diejenigen, die sich vielleicht noch besser ausbeuten lassen könnten. Wir verteidigen unsere Ausbeutungsverhältnisse, unsere bekloppten Tätigkeiten, die wir in den meisten Fällen auch noch für hochgradig sinnlos halten, nur weil sie die einzige Lebensgrundlage darstellen, mit der wir unser Leben finanzieren. Warum das so ist? – Darüber sollten wir uns mal bei Gelegenheit Gedanken machen.

Bis dahin werde ich auch weiterhin auf die Straße gehen und mich für Menschen einsetzen, die im großen Würfelspiel des Lebens mit den beschisseneren Würfeln spielen müssen, wenn sie überhaupt welche bekommen. Weil ich es einfach nicht akzeptieren will, dass das Leben ein Glücksspiel sein soll.

In diesem Sinn, auf bald.

Staiger 

PS: An dieser Stelle möchte ich mich ausdrücklich bei unserem Team von der VICE bedanken, ohne das die besagte Reportage nicht zustande gekommen wäre. Danke!


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Juli 5 '14

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Juli 2 '14
80is Protestkultur 3/3

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Juli 2 '14
80is Protestkultur 2/3

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Juli 2 '14
80is Protestkultur 1/3

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Juni 26 '14

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Juni 24 '14
Polizei sichert mit einem Großaufgebot den “freiwilligen Umzug” der Refugees aus der besetzten Schule. Keine Presse erlaubt.

Polizei sichert mit einem Großaufgebot den “freiwilligen Umzug” der Refugees aus der besetzten Schule. Keine Presse erlaubt.


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Juni 24 '14

Weiteres wunderbares Video von Balbina. Power!

Regie von Maeckes. Auch sehr geil!


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Juni 11 '14
Trotzdem gut

Trotzdem gut


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Juni 11 '14
Wenigstens sieht man den Unterschied.

Wenigstens sieht man den Unterschied.


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Juni 11 '14
Bochum Ruhrpark. Der Berg ruft!

Bochum Ruhrpark. Der Berg ruft!


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Juni 6 '14

Talion 2 – La Rabia: Querfront und Klassenkampf. Eine Kritik mit Selbstkritik

Nachdem also so viel passiert ist und sich doch nichts bewegt hat, weil vor der ernsthaften Debatte dann doch die persönliche Eitelkeit, das Künstlerego und letztendlich nur der einfache Wunsch steht, CDs verkaufen zu wollen … bleibt mit persönlich also nur die CD selbst zu nehmen, um mich damit auseinander zu setzen. Zum Glück bietet diese in ihrer Widersprüchlichkeit, mit genauso viel wahren wie falschen Sprüchen, genug Anknüpfungspunkte. Talion 2 ist die personifizierte Querfront. So viel Klassenbewusstsein war selten, dann doch wieder nur die Wut des Kleinbürgers und trotzdem groß in seinem ambitionierten künstlerischen Anspruch.

Interessant sind die Erzählpositionen, die Fard und Snaga auf La Rabia einnehmen, wenn sie zum Beispiel aus der Sicht der Automat Kalaschnikow erzählen, wo das berühmteste Sturmgewehr der Welt überall Verwendung fand und findet. Oder wenn Fard aus der Sicht eines inhaftierten Terroristen von Folter und Todesahnungen spricht, um dann in der zweiten Strophe Snaga in der Gestalt des von Islamisten entführten deutschen Ingenieurs zu Wort kommen zu lassen, der mit dem Messer am Hals den Tod erwartet. Auf „Du hast Recht“ drehen sie den Spieß gegen ihre Kritiker um und nehmen die Schuld für alles Schlechte in dieser Welt einfach auf sich, indem sie sich und ihre Texte zur Ursache für Jugendarbeitslosigkeit und Kriminalität erklären. Das ist nicht neu, hat Sido auch schon gemacht, ist aber trotzdem effektiv. Beachtlich auch der Song, in dem sich Fard in die Rolle eines Pädophilen begibt, der sich selbst für seinen Trieb hasst, sich auf der anderen Seite aber einredet, dass es das Nachbarsmädchen doch auch will. Beachtlich deshalb, weil sich Männer mit pädophilen Neigungen anscheinend tatschlich in genau diesem Konflikt befinden, wie ein Vertreter der Präventiv-Gruppe www.kein-taeter-werden.de neulich in einem Radiointerview erklärte. Fard beschreibt genau diesen Zwiespalt, den die Betroffenen erleben, sein angedeuteter Lösungsvorschlag, sich selbst umzubringen, bleibt diskutabel, die beachtliche Fähigkeit als Künstler in die Abgründe der menschlichen Existenz vorzudringen, allerdings an dieser Stelle nicht bestreitbar. 

Man muss Fard in seiner immer wieder aufscheinenden Divenhaftigkeit nicht mögen, und auch nicht Snaga’s trotzige Bulldoggenhaltung, aber man kann die große künstlerische Anstrengung und das ernsthafte Bemühen der beiden Rapper auf Talion 2 anerkennen.

La Rabia ist nicht langweilig und tatsächlich ist es auch nicht heulsusenhaft, obwohl es im Grunde durchgehend von einer enttäuschten Liebe handelt. Talion 2 handelt von der enttäuschten Liebe zu einem Land, das seine Kinder offensichtlich vergessen hat. Es handelt von einer Gesellschaft, die ihre Unterschicht beschimpft und einer Politik, die ihre Bevölkerung verraten hat. Es handelt von Heuchelei und dem tiefen Gefühl, dass es nicht gerecht zugeht auf dieser Welt, weil immer mit zweierlei Maß gemessen wird. Und was soll man dazu sagen?  – Im Endeffekt haben sie ja auch Recht damit.

Denn sollte man sich als ganz normaler Ruhrpott-Malocher, der über Jahrzehnte seiner SPD die Treue gehalten hat, denn nicht verraten fühlen, wenn genau diese SPD die Agenda 2010 durchgesetzt hat. Sollte man sich als grüner Pazifist nicht verraten fühlen, von den Grünen, die ,kaum waren sie an der Macht, zusammen mit der SPD, den ersten Angriffskrieg Deutscher Soldaten nach dem zweiten Weltkrieg, beschlossen haben. Sollte man sich nicht verraten fühlen, von einer Weltmacht, die moralisch den Führungsanspruch für sich beansprucht, Recht und Moral aber immer nur so auslegt, wie es ihr gerade passt und jeden Krieg der letzten 25 Jahre mit einer Lüge eröffnet hat. Angefangen von den Babys, die von irakischen Soldaten aus den kuwaitischen Brutkästen gerissen wurden, die es nie gab, über den Anschläge des 11. September, die für einen Militärschlag gegen Afghanistan herhalten mussten, obwohl die mutmaßlichen Täter Saudis waren, bis hin zu den Massenvernichtungswaffen eines Saddam Hussein, die es ebenfalls nie gegeben hat.

Der sich daraus ergebende populistische Anti-Amerikanismus und der immer wiederkehrende Israel-Palästina-Fetisch der beiden Rapper bleiben nach wie vor fragwürdig, zu sagen aber, dass man darüber nicht diskutieren dürfe, wäre falsch. Genauso falsch, wie ich einzelne Positionen auf La Rabia für falsch halte. Den Rückzug auf den Nationalstolz zum Beispiel, auf Gott, und auf das gesunde Volksempfinden, das in der Forderung nach Todesstrafe für Kinderschänder zum Ausdruck kommt, weil die einfachen Menschen anscheinend so denken. Das ist eine Haltung, die ich niemals akzeptiert habe, gerade auch weil ich selbst aus einer Arbeiterfamilie stamme und gerade auch, weil ich heute immer noch auf der Baustelle arbeite. Nur weil RTL 2 und alle anderen Medien, die arbeitende und arbeitslose Klasse und die sogenannte Unterschicht für verblödet halten, muss man sich ja nicht unbedingt daran halten. Die einfachen Lösungen in Form von völkischer Einigkeit und die Suche nach dem moralisch korrekten, starken Mann, waren mir immer zuwider, weil sie eben nicht den freien Menschen zum Ziel haben. Ganz abgesehen vom männlichen Chauvinismus, der da die ganze Zeit mitschwingt.

Aber selbst wenn ich das alles für falsch halte, muss ich mir die Frage gefallen lassen, wo die anderen Antworten zu finden sind und wer sie gibt. Und wenn sich keiner darum kümmert, dass die richtigen Antworten gegeben werden, dann ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass andere kommen, um dann die falschen Antworten zu geben. Dann geht es statt um internationale Solidarität eben wieder um die Nation. Dann geht es eben statt um Anerkennung von Vielfältigkeit wieder um ein sauberes Volksempfinden, das sich in blindem Hass gegen Schwule, Lesben und alle anderen Formen von Andersartigkeit richtet. Dann wird eben das Argument bemüht, dass Deutschland der Geldscheißer Europas sei, auch wenn das Geld der Rettungsschirme letzten Endes sogar wieder bei den Deutschen Banken gelandet ist. Aber es ist eben bei den Banken gelandet und nicht im Geldbeutel der Proleten, der Arbeiter und Arbeiterinnen und auch nicht bei den Arbeitslosen und Rentnern. Dann wird eben der Ruf nach dem starken Wohlfahrtsstaat laut, der sich endlich wieder um seine und nur um seine Bürger kümmern soll, anstatt endlich einmal aufzustehen und für ein befreites, selbstbestimmtes und würdiges Leben ohne Herrschaft einzutreten.

Dann kommen die Parolen, wie „Mein Opa war kein Mörder“, weil ein Snaga einfach nur sieht, dass man seinem Opa die Anerkennung verweigert hat, obwohl dieser als Soldat seinen Arsch für dieses Land riskiert hat und ansonsten einfach nur ein normaler Ruhrpott-Malocher war. Warum man deshalb ein Held sein soll, will mir persönlich trotzdem nicht in den Kopf, aber ich kann den Trotz in Snaga verstehen, wenn man auf der anderen Seite weiß, dass die echten Kriegsverbrecher relativ ungeschoren davon kamen. Dass der Bundesnachrichtendienst und der Verfassungsschutz aus ehemaligen Nazikadern aufgebaut wurde, die alten Nazi-Eliten auch nach 1945 noch am Start waren und er nun das Gefühl hat, dass nur der einfache Soldat gedemütigt werden soll.

Hier legen Snaga und Fard zu Recht den Finger in die Wunde der Heuchelei, die von Seiten der politisch Korrekten auch in anderen gesellschaftlichen Teilbereichen betrieben wird. Zwar werden seit einigen Jahren Ausländer in diesem Land Migranten genannt und alles dafür getan, dass die hässlichen Worte und Begriffe verschwinden, trotz allem zog jahrelang ein Mördertrio durch die Lande, das wahllos ausländisch aussehende Menschen abknallte – und der Verfassungsschutz schaute sprichwörtlich zu. Wie kann das sein? Das alles unter einer rot-grünen Bunderegierung? Das alles mit Wissen von Staatsorganen? Die alten Verbindungen stehen. Wir glauben gar nichts mehr. Multikulti ist eine Scheinwelt. Das alles ist nicht echt und genau das erzeugt Hass.  

Und dieser Hass richtet sich dann schließlich auch ganz konkret gegen meine Person, gegen diesen Staiger, der doch ansonsten jeden Scheiß verteidigt und für jeden Gangsterrapper da draußen Verständnis hat und der nun gerade auf Talion eindrischt. Ausgerechnet dieser Sozialarbeiter Staiger haut voll drauf und stellt sie in die rechte Ecke, weshalb es dann auch für einen Fard Recht und Billig zu sein scheint, mich einen Hundesohn zu nennen und für Snaga, mich hauen zu wollen.

Wie wir aus diesen Ecken jemals wieder rauskommen wollen, ist mir nicht ganz klar und vielleicht bleiben diese Fronten auch auf ewig verhärtet, aber solange auf einem solchen Album Sachverhalte wie der Mord an „Oury Jalloh“ erwähnt werden und Parolen wie „kein Mensch ist illegal“ zu hören sind, nehme ich Talion 2 immer noch als das, was Rap für mich nach wie vor ist: Als Gesprächsgrundlage.

In diesem Sinne ist es umso bedauerlicher, dass die Podiumsdiskussion auf dem Out4Fame Festival an diesem Wochenende nicht zustande gekommen ist. Ich wäre dabei gewesen, aber vielleicht geht es ja auch so weiter. Halleluja!


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Juni 5 '14

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