Staiger der Observer

Blog für Politik, Zeitgeschehen und Unterhaltungskultur. Große Literatur und niedere Instinkte. Fotos, Schnipsel und Reportagen vom Rande der Gesellschaft. No Fear!
Sept. 16 '14

Lesung in Hamburg auf dem Reeperbahnfestival

Im Rahmen des juice Abends auf dem Reeperbahnfestival, werde ich am Samstag den 20.09.2014 um 18 Uhr im Moondoo Club, Reeperbahn 136, aus meinem Buch “Die Hoffnung ist ein Hundesohn" lesen.

Es wird großartig, weil clubatmosphärisch und nach meinen literarischen Ergüssen gibt es auch noch Musik von Karate Andi, 3Plusss & Sorgenkind, Antilopen Gang sowie Credibil.

Alle weiteren Infos auf der juice.de Seite.


1 Anmerkung Kommentare anzeigen

Sept. 16 '14

Verhört II.

Bei der Durchsicht des Textes von “Matrix” ist mir eine weitere Stelle aufgefallen, bei der ich mich offensichtlich verhört hatte.

Hatte ich in der Hookline immer “Blaue Katze - rote Katze - Matrix” verstanden und wollte ich mich schon über diesen Unsinn auslassen, so musste ich feststellen, dass es sich hier wohl um ein Zitat aus dem gleichnamigen Film handelt.

Natürlich spricht der Sprecher nicht von eingefärbten Haustieren sondern von “Kapseln”. Das ergibt im Zusammenhang mit dem übrigen Text zwar auch nicht mehr Sinn, trotzdem bitte ich, mir diesen Fehler ebenfalls nachzusehen.


3 Anmerkungen Kommentare anzeigen

Sept. 15 '14

Verhört.

In meiner neuen juice Kolumne ist mir ein bedauerlicher Fehler unterlaufen.

Fälschlicherweise habe ich behauptet, dass ein deutscher Rap-Künstler wieder das Wort “Nigga” in seinen Wortschatz aufgenommen habe.

Ich hatte mir den betreffenden Song namens “Matrix” mehrmals angehört und war mir sicher, bei Minute 0:39 eindeutig verstanden zu haben: “… Somit machst du dich vom Clown zu nem Sklaven Nigga wie lang auch dein Schwanz ist …”. In Wahrheit soll die betreffende Stelle aber folgendermaßen lauten: “… Somit machst du dich vom Clown zu nem Sklavenegal wie lang auch dein Schwanz ist ….”.

Ob es sch hierbei um einen vom Künstler einkalkulierten Verhörer handelt oder dieser Verhörer meinem eigenen Wahn entspringt, kann ich nicht mit letzter Sicherheit sagen, allerdings bitte ich um Verzeihung, falls ich da jemandem unrecht angetan habe.

An der Kernaussage, in der ich behaupte, dass Schimpfworte künstlerische Radikalität nicht ersetzen können, ändert sich hingegen nichts.


6 Anmerkungen Kommentare anzeigen

Sept. 14 '14

Gleich bei Radio Fritz

Ab 22 Uhr einschalten auf www.fritz.de. Ich bin zu Gast bei der wundervollen Babette Conrady. Wir sprechen über Wahlen, Toleranz und andere wichtige Dinge. Gibts auch als Livestream oder über die gute alte Antenne.


4 Anmerkungen Kommentare anzeigen

Sept. 12 '14

3 Anmerkungen Kommentare anzeigen

Sept. 11 '14

3 Anmerkungen Kommentare anzeigen

Sept. 10 '14

Geil. Die Alu-Hut-Fraktion hat einen eigenen Nachwuchssender, auf dem sie Dir die Wahrheit erzählen. Also die wirkliche Wahrheit, die echte Wahrheit, die Wahrheit, die von den Mainstream-Medien vertuscht wird und die es nur im Internet gibt.

Auf jugend-tv geht es um unterirdische Städte, Chemtrails, Zensur und vor allem um diese perfide EU-Politik, die uns alle schwul machen will und mit der die herkömmliche Familie ausgerottet werden soll. 

Das Konzept der Website ist so einfach wie infam. Entführte Kindersoldaten aus verschiedenen europäischen Ländern, werden gezwungen, vor die Kamera zu treten und zu truthen.

Anscheinend wurden auch schon mehrere Größen aus dem nationalen Showgeschäft angefragt, als Gastmoderatoren aufzutreten. Unbestätigten Gerüchten zufolge sollen sich Xavier Naidoo und Snaga bereits vage positiv dazu geäußert haben.

Das wird super. Wir freuen uns jetzt schon. Die Wahrheit wird uns alle treffen, wie ein Blitz.

Wer kann diesen Wahnsinn stoppen?


17 Anmerkungen Kommentare anzeigen

Sept. 9 '14

Liebe Berliner Polizei, das hat echt Spaß gemacht. Danke für gestern Abend.

Liebe Berliner Polizei,

gestern Abend wollte ich eigentlich nur kurz auf der Gürtelstraßendemo vorbei schauen, um gegen die Verarschepoltik des Berliner Senats zu protestieren, aber dann blieb ich doch länger.

Weißt Du, ich fand es nicht schön, wie du mit den Flüchtlingen umgegangen bist und sie 13 Tage ohne Nahrung und vor allem auch ohne Wasser hast auf dem Dach sitzen lassen. Einer von Euch hat den protestierenden Geflüchteten irgendwann einmal etwas zu Essen gegeben und sich damit einer konkreten Dienstanweisung widersetzt. Meinen vollsten Respekt dafür und ich hoffe, er hat sich damit keine allzu großen Unannehmlichkeiten eingehandelt. Sein Verhalten bestärkt mich in der Auffassung, dass nicht alle von Euch scheiße sind und eigentlich möchte ich ja auch glauben, dass keiner von Euch scheiße sein möchte, auch wenn Ihr Euch nur allzuoft scheiße verhaltet. Die meisten von Euch haben sich nämlich sklavisch an die Anweisung gehalten, diejenigen der Refugees, die sich geweigert haben, die ihnen vom Senat versprochenen Unterkünfte zu verlassen, auszuhungern und von der Wasserzufuhr abzuschneiden.

image

Das ist schon ein starkes Stück, denn nochmal: Den Flüchtlingen, die im April „freiwillig“ den O-Platz verlassen haben, wurde versprochen, dass das Land Berlin sich darum kümmert, dass deren Asylverfahren hierher verlegt werden und dass sie eine wohlwollende Einzelprüfung erhalten würden. Außerdem würde ihnen der Senat für sechs Monate Unterkunft und Sozialleistungen gewähren. Dass der Senat die ersten beiden Punkte ohnehin nicht durchsetzen wollte oder konnte, war von vorneherein klar, dass in Berlin sechs Monate aber noch nicht einmal sechs Monate dauern, das spricht dafür, dass man sich im Berliner Senat denkt, dass man mit den Geflüchteten machen kann, was man will. Weil es eh keine Menschen sind. Weil sie eh keinen Wert haben. Weil man sowieso keinen Respekt vor ihnen hat.

Liebe Polizei, Ihr macht Euch zum Handlanger einer echten Scheiß-Politik und wenn ich nicht manchmal den Eindruck hätte, dass ihr das gar nicht so schlimm findet oder sogar ziemlich gut, hätte mir das auch ein bisschen leid getan, was da gestern Abend mit Euch veranstaltet wurde. Ich muss sagen, Ihr saht echt nicht gut aus dabei und ein paar von Euch waren richtig aus der Puste. Ich selbst wollte, wie gesagt, ja nur kurz da sein, weil ich noch weiter ins Training wollte, aber dann war es so lustig mit Euch und zum Trainieren bin ich ja trotzdem gekommen, denn wir haben gemeinsam trainiert. Du, liebe Berliner Polizei und ich und die anderen – alle zusammen.

image

Für Euch kam das bestimmt ein bisschen überraschend und wohlwollend könnte man sagen, Ihr wart da ein bisschen überfordert. Deutlicher gesprochen, muss man allerdings sagen: Ihr hattet die Situation einfach nicht im Griff. Wir sind hingegangen, wo wir wollten. Wir haben die Straßen dicht gemacht und wieder freigegeben, sind durch Straßen gelaufen, die nicht auf der Demoroute vorgesehen waren und wir haben hin und wieder kleine Grüppchen von Euch aufgelesen, die versprengt und orientierungslos in der Gegend herumstanden. Wenn wir scheiße hätten sein wollen, dann wäre Eure übliche Taktik „rein in die Menge und immer nah dran am Volk“ gestern ziemlich in die Hose gegangen und ziemlich gefährlich für Euch geworden. Wir sind aber nicht scheiße und so war Euer komisches Rumgeballere mit Pfefferspray und Eure gelegentlichen körperlichen Ausraster auch höchst überflüssig. Zumal es gar nichts gebracht hat.

image

Na ja, ihr wart halt auch echt im Arsch, wenn ich daran denke, wie Ihr teilweise durch die Gegend gehumpelt seid und welch hochrote Köpfe manche von Euch nach den zwei Stunden herumgerenne hatten. Wenn wir das jetzt aber öfter machen, dann gibt sich das ganz schnell und ihr werdet fitter und wir werden fitter und vielleicht rennen wir dann irgendwann mal gemeinsam durch die Straßen und jagen die zum Teufel, die uns und den Flüchtlingen und allen, die ausgegrenzt und im Abseits stehen die ganze Scheiße eingebrockt haben.

Bis dahin dauert es wahrscheinlich noch ein Weilchen, aber du weißt ja: Die Hoffnung darf man nie aufgeben, auch wenn sie ein Hundesohn ist.

Mir hat das gestern Abend auf jeden Fall richtig Spaß gemacht und ich habe es zu keinem Augenblick bedauert, nicht ins Training gegangen zu sein. Von mir aus können wir nächstes mal auch noch ein bisschen miteinander ringen. Ich wäre dabei. Muss aber auch nicht sein.

Ich fand’s schön so, wie es war und wünsche mir deshalb, dass wir das möglichst bald mal wiederholen.

Ich freu mich jetzt schon und  verbleibe mit solidarischen Grüßen

Dein Staiger


105 Anmerkungen Kommentare anzeigen

Sept. 8 '14
Flüchtlinge vom Dach. Problem gelöst. Weiter machen.
Am 19.09. wird im Bundesrat über die Verschärfung des Asylrechts abgestimmt. Berlin ist dabei.

Flüchtlinge vom Dach. Problem gelöst. Weiter machen.

Am 19.09. wird im Bundesrat über die Verschärfung des Asylrechts abgestimmt. Berlin ist dabei.


13 Anmerkungen Kommentare anzeigen

Sept. 4 '14

Die Intro! hat mich um meine Meinung gebeten. Ich weiß nicht, ob das klug war. Hoffentlich werden die nicht auch abgemahnt wie die WOZ.

Gelesen ist es aber lustiger und geht auch schneller:

Platten vor Gericht mit Marcus Staiger.


8 Anmerkungen Kommentare anzeigen

Sept. 3 '14

Noch mehr Hate in Germany … Lieber Gunnar Schupelius

eigentlich hatte ich ja vorgehabt, nach meinem letzten Brief an Sie, eine rege Brieffreundschaft mit Ihnen zu beginnen, aber ehrlich gesagt finde ich Ihre Kolumne zu weiten Teilen dermaßen irrelevant, dass ich mich nicht dazu durchringen konnte, Ihnen zu schreiben. Nur einmal reizte es mich, nämlich als Sie über Gleichberechtigung und die Quote geschrieben haben und nicht verstehen wollten, dass es keine Benachteiligung der Männerwelt ist, wenn auf eine Frauenquote von 50% in Führungspositionen geachtet wird. Denn wo ist da die Benachteiligung, wenn man darauf besteht, dass die Hälfte der Bevölkerung auch als Hälfte in leitenden Positionen zu finden ist? Ich habe damals darauf verzichtet, weil ich mir dachte, dass diese einfache Rechnung auch Ihnen von selbst einleuchten wird und so verblasste die Erinnerung an Ihre Kolumne nach und nach.

Nun haben Sie sich allerdings wieder zum Thema Flüchtlinge geäußert und da ich annehmen muss, dass Sie meine letzten Postings zu diesem Thema nicht gelesen haben und auch ansonsten nicht so im Thema drin sind, will ich es Ihnen noch einmal erklären. Ihre Kolumne steht unter dem Motto „Mein Ärger“ und unter der Überschrift „Warum dieses Asylmahnmal auf dem Oranienplatz?" ärgern Sie sich dieses mal über eine Kunstinstallation, die an die grausame deutsche und europäische Asylpolitik erinnern soll.

Gegen diesen Vorwurf verwahren Sie sich kategorisch und verweisen auf die enorme Summe von 100 Millionen Euro, die alleine das Land Berlin für die Unterbringung von Geflüchteten im laufenden Jahr aufbringen muss. Außerdem erklären Sie, dass nicht die europäische Flüchtlingspolitik grausam sei, sondern die Umständen aus denen die Menschen fliehen müssen. Deshalb wollen Sie (und dabei schließen sie die Berlinerinnen und Berliner mit ein) sich kein Mahnmal vor die Nase stellen lassen, „von Leuten, die ihre Erfüllung darin sehen, anderen ein schlechtes Gewissen einzureden.“ Denn ein schlechtes Gewissen haben Sie nicht. Läuft ja alles soweit ganz gut.

Nun Herr Schupelius, diese Ansicht teile ich nicht, obwohl ich es verstehen kann, dass Ihnen die geopolitische Mitverantwortung Europas und der westlichen Welt am desolaten Zustand der Krisenregionen nicht wirklich einleuchten will. Doch bei aller Opferbereitschaft die Sie sich und den Berlinern attestieren sollten Sie anerkennen, dass Europa durch seine koloniale Raumaufteilung in Afrika sowie im nahen und mittleren Osten eine ganz gehörige Mitschuld an den dort herrschenden Konflikten trägt, dass die militärischen Raubzüge der westlichen Welt bis in unsere Tage hinein andauern, dass große europäische Firmen, die Weltbank und der IWF noch immer an einer kolonialen Ausbeutungspolitik interessiert sind und dass die deutsche Asylpolitik sehr wohl die Verantwortung dafür trägt, dass diejenigen, die es überhaupt bis hierher geschafft haben, in gefängnisähnlichen Umständen leben müssen. Auch wenn Sie es nicht wahrhaben wollen, die Geflüchteten, die Sie seit „zwei Jahren“ mit „endlosen Besetzungen von Plätzen, Schulen und Hostels“ in „Atem halten“, machen das nicht zum Spaß, sondern um genau gegen diese Zustände zu protestieren.

Sie schreiben, dass Europa natürlich nicht „alle armen und benachteiligten Afrikaner aufnehmen [kann], das begreift jedes Kind“ und auch hier würde ich Ihnen Recht geben. In ihrer Welt gehen Sie nämlich davon aus, dass „alle armen und benachteiligten Afrikaner“ lediglich hierherkommen, um Sozialhilfe zu beziehen, was selbstverständlich zum Zusammenbruch der europäischen Sozialsysteme führen würde. Dass diese Menschen hier arbeiten wollen, auf diese Idee kommen Sie gar nicht. Zu Recht, denn hier sind wir nämlich beim eigentlichen Problem der ganzen Angelegenheit angelangt. Denn das einzige Gut, was in Europa und der ganzen westlichen Welt tatsächlich Mangelware darstellt ist Arbeit. Arbeit ist ein seltenes Gut geworden in dieser Gesellschaft und gibt es nämlich nur, wenn sie sich lohnt – und zwar für denjenigen, der die Arbeit vergibt. Lohnt sie sich nicht, wird sie nicht vergeben oder auf den Staat abgewälzt, was wiederum die Sozialsysteme belastet. Und da es sich für immer weniger Arbeitgeber lohnt, Arbeit zu vergeben (zumindest in Europa und der westlichen Welt) gibt es auch immer weniger Arbeit.

Ihr Hetzer-Freund Thilo Sarrazin ist einer der wenigen Politiker, der dieses Thema öffentlich angesprochen hat. In einem Interview mit der Zeitung Lettre hat er es einmal mit dem knappen Satz: „Diese Jobs gibt es nicht mehr“, auf den Punkt gebracht. Die Schlussfolgerung, die er daraus zog ist genauso falsch wie schonungslos: „Berlin hat wirtschaftlich ein Problem mit der Größe der vorhandenen Bevölkerung.“ Ersetzt man „Berlin“ durch „Europa“ so bekommt man eine Ahnung davon, vor was Ihnen graut, Herr Schupelius.

NICHT wirtschaftlich gesprochen, haben wir aber ganz andere Probleme. Nicht wirtschaftlich gesprochen, haben wir eher ein Problem damit, dass wir weniger werden und unsere Bevölkerung schrumpft. Wir haben Probleme damit, dass wir immer älter werden und unsere Gesellschaft überaltert und wir haben ein Problem damit, dass uns junge Menschen fehlen. Eigentlich müssten wir uns darüber freuen, dass Millionen helfender Hände zu uns kommen wollen – wir tun es aber nicht, weil Arbeit fehlt. Und da Arbeit der einzige Weg ist, in dieser Gesellschaft an Geld zu kommen, wenn man es nicht durch Kolumnenschreiben bei der BZ bekommt, ist man ohne Arbeit schlecht dran, muss den Sozialsystemen auf der Tasche liegen und sich von Ihnen Herr Schupelius unterstellen lassen, dass man Ihnen auch noch ein schlechtes Gewissen macht.   

Wissen Sie Herr Schupelius und das habe ich Ihnen auch schon im letzten Brief geschrieben, Ihre Selbstgerechtigkeit ist unerträglich. Vor allem aber Ihren letzten Satz nehme ich Ihnen aus ganz persönlichen Gründen übel. Da schreiben Sie nämlich, dass die ganzen „Streiter“ und damit meinen sie die deutschen „linken Aktivisten“, dass diese Streiter die „deutsche[n] Asyl-Gesetze bekämpfen [wollen] und als Hebel dazu ein paar Flüchtlinge gefunden [haben], die in dem ganzen Poker regelrecht aufgerieben werden.“

Dass es sich beim Protest der Geflüchteten um eine eigenständige, selbstorganisierte Bewegung handelt, haben Sie immer noch nicht verstanden. Dass Geflüchtete, die nicht aus Europa kommen einen eigenständigen politischen Protest auf die Beine stellen, erscheint Ihnen unvorstellbar. Stattdessen phantasieren Sie davon, dass diese lediglich von linken Aktivisten instrumentalisiert und „in dem ganzen Poker“ aufgerieben werden. Wenigstens mit dieser letzten Behauptung haben Sie ins Schwarze getroffen. Tatsächlich wurden die Geflüchteten mittlerweile aufgerieben und ihre Bewegung beinahe zerschlagen. Allerdings haben damit weniger die linken Aktivisten zu tun, als die Lügen des Berliner Senats und der andauernde Stillstand in der menschenverachtenden, europäischen Asylpolitik.

Dass ich Ihnen damit ein schlechtes Gewissen eingeredet habe, glaube ich nicht und ist auch gar nicht meine Absicht. Die Gewissheit aber, dass Sie über das, was es morgen in der Springer Kantine zum Mittagessen geben wird oder wo Sie in Zukunft Ihr Auto sicher abstellen können, dass Sie darüber mehr nachdenken werden, das ärgert mich dann schon, ist aber offensichtlich nicht zu ändern.

Trotz allem verbleibe ich mit freundlichen Grüßen, bis hoffentlich bald

Ihr Marcus Staiger  


10 Anmerkungen Kommentare anzeigen

Sept. 3 '14

Die Juice Real Talk Kolumne #5 zum Nachlesen

Meine Juice Kolumne jetzt auch online hier bei mir oder direkt bei juice.de.

Nummer 5 vom Mai/Juni 2014:

Was wir von Ver­schwö­rungs­theoretikern lernen ­können… und was nicht.
 
Es ist wie eine ­Krankheit, die sich ausbreitet. Die Timelines unserer Facebook-Seiten sind voll davon, und täglich werden es mehr: ­Killuminati, KenFM, Infokrieger und andere Wahrheitsfinder machen uns in selbstgebastelten Videos ­darauf aufmerksam, dass die Welt ­zugrunde geht und dass man den Massenmedien, die allesamt von amerikanischen Banken (aka jüdische Weltverschwörung) gesteuert sind, keinen Glauben schenken darf.
 
Etwas aufgewecktere Facebook-Freunde fragen sich dann, warum man stattdessen einem ­selbstgebastelten Youtube-Video vertrauen sollte – ein hoffnungsloser Kampf gegen Windmühlen. Denn glaubst du den Weckrufen der ­Propheten nicht, dann bist auch du ein unwissender ­Vollidiot. Ein willenloses Opfer der EUdSSR. Die Truther sind unter uns und haben die Wahrheit längst gefunden: Die Mächtigen der Welt haben sich zur Unterjochung der Menschheit ­zusammengetant: ­Freimaurer, ­Zionisten und ­Illuminaten wollen uns versklaven. Mit ­Flugzeugabgasen wollen sie uns vergiften, gegen gefährliche Strahlung hilft nur noch Alufolie im Basecap. Das Geldsystem ist böse, die Eliten sind korrupt und dem deutschen Volk droht der Genozid durch EU-Einheitsbrei und Überfremdung.
 
Die Lösung des Problems ist ­simpel: Eine neue Moral muss her. Das schlechte Geldsystem muss abgeschafft werden, damit es wieder einen guten Kapitalismus geben kann; wir müssen zurück zur starken Nation mit ­gesundem Patriotismus, um uns gegen EU-Fremdbestimmung, Multikulti, Gender-Gedöns, Homophilie und ­Überfremdung zu schützen. Jeder, wie er mag, aber nicht bei uns. Das entspricht einfach nicht unserem Volksempfinden, da könnte man ja gleich Pädophilie erlauben. Und Todesstrafe für Kinderschänder wird man ja wohl noch fordern dürfen, oder?
 
Alles Kraut und Rüben. Da mischen sich die verrücktesten Weltbilder, doch all diese Theorien finden willige Abnehmer – auch in der HipHop-Welt. In Rap-Texten wird immer häufiger von dunklen Hintermännern gesprochen, die das Volk verdummen wollen. Wir werden aufgefordert, endlich die Wahrheit zu erkennen. Offenbar ­interessieren sich viele Menschen für dieses Thema. Fragt man mal unverbindlich herum, so haben selbst die Politikverdrossensten unter uns das dumpfe Gefühl, in dieser Gesellschaft laufe was falsch. Und dann kommen diese Erklärungsmuster genau richtig. Die kann man sich auch zwischen zwei Joints noch schnell reinziehen. So ein kleines Anonymous-Video passt immer. Oder ein Killuminati-Beitrag über die Rothschilds. Kurze, knappe Erkenntnis: »Hey Bruder, das hätte ich echt nicht gedacht. Gib mal den Joint rüber. Krass.«
 
Das Schlimmste aber ist: Die ­Leute haben irgendwo recht. Die Verhältnisse werden auch objektiv betrachtet nicht besser. Die ­Schere zwischen arm und reich wird ­immer größer. Die ­Umverteilung von unten nach oben läuft auf vollen Touren. Sogar der Spiegel musste neulich Sahra Wagenknecht von der ­Linkspartei Recht geben, die ­behauptet hatte, dass am Ende doch der Steuerzahler für die immensen ­Spekulationsschulden der Banken aufkommen müsse. Und dass die EU eine ziemlich undemokratische ­Veranstaltung ist, weiß nicht nur die AfD. Die wichtigen Entscheidungen werden eh hinter verschlossenen Türen gefällt.
 
In der Ukraine wird vor unseren Augen ein Possenspiel ­aufgeführt, das für jeden Menschen relativ offensichtlich ist: Die NATO will unter dem Deckmantel der EU-Osterweiterung ihr Einflussgebiet vergrößern. Die Russen wollen das nicht. Beide Seiten schicken ihre Seilschaften, Geheimdienste und Spezialtruppen ins Rennen. Um die Ukraine, die Menschen­rechte, die Demokratie oder gar die Ukrainer selbst geht es bei all dem nicht. Und hier muss man den verschworenen ­Wahrheitssuchern wohl Recht geben: Denn die öffentlichen Medien versuchen ein anderes Bild zu zeichnen.
 
Ja, in der Politik wird gelogen. Geheimdienste arbeiten mit schmierigen Methoden, um die Interessen ihrer jeweiligen Länder zu schützen; dafür gibt es jede Menge belegter Fälle, die einen angesichts der Skrupellosigkeit mit offenem Mund ­zurücklassen. Seien es der NSU-Skandal, in den offensichtlich mehrere ­Verfassungsschutzämter der ­Bundesrepublik verstrickt sind oder die Beteiligung der CIA an mehreren Anschlägen und ­Umstürzen in Südamerika. Ganz zu schweigen vom NSA-­Abhörskandal und der Mutter aller Verschwörungstheorien. 09/11. Die einfache Frage nach ­Gebäude Nummer 7 lässt jeden klar ­denkenden Menschen ­(ver-)zweifeln. Möchte man wohlwollend sein, dann könnte man sagen, der Untersuchungsbericht der US-Administration sei schlampig und lückenhaft gewesen. Das Gefühl, ganz groß verarscht zu werden, wird man jedenfalls nicht los.
 
All das könnte Stoff für ­umfassende politische Arbeit sein, mit der man jede ­Menge zu tun hätte. Beschäftigt man sich dann noch mit dem System dahinter, das viel mit dem Hunger nach Rohstoffen, der ­Ausbeutung ­Afrikas, den ­unmenschlichen Arbeitsbedingungen in ­ostasiatischen Sweat-Shops und einem immanenten Wachstumszwang zu tun hat, dann kämen wir einer fundierten politischen ­Analyse bereits nahe. Geht man auch noch von einem geopolitischen Gezerre der unterschiedlichen Blöcke um Macht und Einfluss aus, dann bekommen wir ein relativ rundes Bild. Mit der ­Verschwörung einer illuminierten Zinsgeld-Bilderberger-Gruppe, die seit Jahrhunderten im Geheimen an einer NWO arbeitet, hat das dann nicht mehr so viel zu tun – mit den inneren Widersprüchen der freien Marktwirtschaft dafür umso mehr. Aber das ist tatsächlich nicht ganz so spannend, Bruder – reich mir mal die Tüte.


5 Anmerkungen Kommentare anzeigen

Sept. 2 '14

Die Juice Real Talk Kolumne #4 zum Nachlesen

Meine Juice Kolumne jetzt auch online hier bei mir oder direkt bei juice.de.

Nummer 4 vom April 2014:

Als die Rap-Welt wieder einmal ein Statement erreicht, diesmal von ­Manuellsen, dachten viele, dass es ein weiteres Mal um »Ehre«, »Verrat« und »Loyalität« ginge. Das Thema war aber ein ­Größeres: Es ging um Rassismus und das N-Wort. Und um es kurz zu machen: Manuellsen hat Recht. Es ist nicht korrekt, das N-Wort zu benutzen, doch beim Blick auf Facebook & Co scheint es, als müsse man dazu noch mal ein paar Dinge klarstellen.
 
Zunächst fällt auf, wie penetrant so mancher darauf beharrt, er dürfe das N-Wort nutzen. Das erinnert mich an Gespräche mit älteren Verwandten, die darauf bestehen, »Negerkuss« sagen zu dürfen, weil sie das schon immer gesagt haben. Diese Menschen ­begreifen nicht, dass nicht sie darüber zu ­bestimmen haben, ob eine Bezeichnung beleidigend ist oder nicht. Das Urteil darüber kann nur von denen gefällt werden, die mit dem N-Wort angesprochen werden, und die haben ihr Urteil gefällt: Sie wollen nicht so betitelt werden. Das Wort ist geschichtlich vorbelastet und wurde stets als Ausdruck eines Überlegenheitsdenkens eingesetzt. Sprache als Herrschaftsmittel! Und wenn man die Beziehungen der Menschen untereinander neu sortieren will, ist es wichtig, derlei Ausdrücke aus dem ­Sprachgebrauch zu verbannen.
 
Das ist eigentlich nicht schwer zu verstehen. Bei der Verwendung kränkender Spitznamen in eurem Freundeskreis wehrt ihr euch doch auch. Nur ihr selbst entscheidet das – nicht die anderen. Aus diesem Grund ist Flers Hinweis, Manuellsen solle sich doch bitte auch für Kinder stark machen, die als »Kartoffel« beschimpft werden, eigentlich richtig, wenngleich er an einer Stelle hinkt. Wird ein Deutscher in einer von Migranten dominierten Umgebung aufgrund seiner Herkunft beschimpft, dann ist das ebenso rassistisch.
 
Äußern sich hingegen Menschen mit Migrationshintergrund über die »scheiß Kartoffeln« in der Politik, hat das ein anderes Gewicht, als wenn sich irgendwelche Hohlköpfe über »scheiß N**ger« äußern. An der Spitze der Welt stehen eben in der Regel immer noch weiße Männer. Sie üben Herrschaft aus. Und eine Beleidigung von unten ist immer noch etwas anderes, als eine Beleidigung von oben (im konkreten Fall Schulhof sieht das ganz anders aus, deshalb geht das nicht klar). Das sind jetzt Spitzfindigkeiten und ganz sicher können wir uns darauf einigen, dass Beleidigungen, die auf die ­Herkunft abzielen, immer whack sind. Deswegen war das, was in der ­Diskussion um Manuellsens ­Statement an Beleidigungen ­angeboten wurde, ganz klar ­rassistisch. Fast scheint es so, als wäre ein Damm gebrochen und Leute würden sich daran aufgeilen, endlich wieder ­dumpf-­nationalistische Scheiße auspacken zu können. Kann sein, dass manch einer ­dachte, man könne Manuellsen mit solchen Äußerungen am besten aus der ­Reserve locken. Aber die ­Diskussion beweist leider auch, dass die Rassismus-Keule die ganze Zeit im Schrank ­gestanden haben muss – und zwar gut versteckt ­unter dem Deckmantel der ­eigentlich so liberalen HipHop-Kultur. Dann kam der »Hey, das wird man doch wohl noch sagen dürfen«-Moment. Natürlich darf man das. Man darf vieles in diesem Land. Aber warum sollte man? Warum sollte man so etwas sagen wollen, wenn man diese Kultur liebt? Warum sollte man überhaupt irgendwen aufgrund seiner Herkunft oder seines Aussehens beleidigen wollen? Dafür habe ich kein Verständnis.
 
Doch in letzter Zeit scheint sich diese Scheiße wieder ­verstärkt eingebürgert zu haben. Kay One wird von Bushido als »Thai-Nutte« beschimpft. Jude ist auch auf ­Facebook wieder ein ­beunruhigend beliebtes Schimpfwort. Deutsche werden als Kartoffeln ­gedemütigt. Und Fler beleidigt nicht nur ­ehemalige Freunde rassistisch, sondern ruft zu einer Wiederholung der »Neuen Deutschen Welle« auf.
 
Jungs, mal ganz ernsthaft: Ich bin kein Linguist und war schon ­immer ein großer Freund origineller Beschimpfungen. Und klar, man findet auch in meiner ­Geschichte und der meines ehemaligen Labels Royalbunker genug rassistische, ­homophobe und sexistische ­Scheiße. Ich kann auch immer noch ein Bushido-Album lustig finden, auf dem er an jeder ­passenden und ­unpassenden ­Stelle das Wort »schwul« benutzt – und es gleichzeitig scheiße finden, dass er leider auch im echten Leben ein Problem mit der ­Homosexualität anderer Menschen hat. Mit Sicherheit bin ich auch nicht die moralische ­Instanz, die alles aburteilen kann und möchte, aber eine Sache ist mir wichtig: Als ich anfing mit diesem HipHop-Ding, da galt ein Spruch für alle: »Es kommt nicht darauf an, woher du kommst, es kommt darauf an, wer du bist.« Mit anderen Worten: Ich scheiße auf Nationalfahnen. Ich scheiß’ darauf, wenn Menschen aufgrund ihrer Herkunft, ­Hautfarbe oder Religionszugehörigkeit ­beleidigt werden. Und ich scheiße auf jeden, der nicht kapiert hat, dass man niemanden aufgrund seiner Sexualität zu beleidigen hat. Auch diese Stadtverbote und das Bedrohen von Leuten – was soll das?!
 
Das ist alles so behindert (an dieser Stelle möchte ich mich aufrichtig bei allen ­gehandicapten Menschen für den Gebrauch dieses Wortes entschuldigen, denn ich weiß natürlich, dass ich »behindert« nicht als Schimpfwort benutzen sollte), dass ich gar nicht mehr weiß, was ich noch sagen soll. HipHop war cool, weil er in ein paar Sachen anders war als die Gesellschaft: Er war ­antirassistisch, antinationalistisch und mit all seinen Fehlern doch immer für die Schwachen. Ich fände es schade, wenn ich mir eingestehen müsste, dass ich mich ­dahingehend all die Jahre geirrt habe.


7 Anmerkungen Kommentare anzeigen

Sept. 1 '14

6 Anmerkungen Kommentare anzeigen

Aug. 31 '14

Die Juice Real Talk Kolumne #3 zum Nachlesen

Meine Juice Kolumne jetzt auch online hier bei mir oder direkt bei juice.de.

Nummer 3 vom März 2014:

Generation Bushido?
 
Als vor einigen Tagen ein Video auftauchte, auf dem man sehen konnte, wie zwei Mädchen ein weiteres brutal zusammenschlagen, zeigte sich die deutsche Gesellschaft – wieder mal – schockiert. Besonders erhellend ist in solchen Fällen unser aller Lieblingsportal Facebook, auf dem man unge­schminkt zu lesen bekommt, was die Volksseele denkt, wenn sie so richtig kocht. »Abschieben – und die ganze Sippe gleich mit«, »Wegsperren, die Dreckskinder« oder: »Vater hängt bestimmt im Café rum und die Mutter ist damit beschäftigt zu lästern.« Es wimmelte vor ausländerfeindlichen Klischees und guten Erziehungsratschlägen, wobei die Fraktion, die gerne mal wieder Hand anlegen würde – aber von verfickten Gutmenschen daran gehindert wird – eindeutig in der Überzahl war. Dabei dürfte es sich bei den Eltern der Prügelmädchen wahrscheinlich nicht unbedingt um antiautoritäre Alt-68er handeln, aber mal so richtig draufhauen tut halt einfach gut und Abschieben ist eine angemessene Lösung – wird man doch noch sagen dürfen. Die Unterschicht pöbelt gegen die Unterschicht und das Bürgertum schaut verschreckt, aber auch fasziniert zu. Ist ja auch interessant, wenn sich da die Prollweiber gegenseitig auf die Fresse hauen und schon am nächsten Tag tauchte, wie durch Zufall, das nächste Schlägervideo auf.
 
Die Schuldigen waren dann bald ausgemacht und unter den Schlagworten »Gewalt, Hass und Sex« verkündete die BILD, dass die verrohten Jugendlichen hauptsächlich von Rappern in die Irre geführt werden. Die »Generation Bushido« wurde ausgerufen und wieder einmal ist Rap für den Untergang des Abendlandes verantwortlich. Nun kann man nicht behaupten, dass Rap mit seiner Vorliebe für materielle Güter, sowie seinem offensichtlichen Sexismus, seiner Homophobie und allem was dazu­gehört, wesentlich zur spirituellen Weiterentwicklung der Menschheit beigetragen hätte. Vielmehr ist unsere geliebte Kultur, was das betrifft, ein exakter Spiegel der gesellschaftlichen Verhältnisse. HipHop ist in dieser Beziehung nicht besser oder schlechter als die kapitalis­tische Grundordnung, in der wir uns bewegen, in der es ausschließlich um Konkurrenz geht. Solidarität, Liebe und Toleranz haben in dieser Welt ebenso keinen Platz wie im HipHop-Kosmos und werden gleichermaßen verlacht wie verachtet. Den einzigen Vorwurf, den wir uns als HipHopper wirklich gefallen lassen müssen, ist der, dass wir nicht genug dagegen sind. Gegen die Vereinzelung und gegen diesen Materialismus, in dem nur der was ist, der auch was hat. Früher, da gab es einmal die Chance, dass es bei Rapmusik um mehr gehen könnte, als darum, Luxusgüter anzuhäufen. Es ging um Dinge wie Peace, Love und Unity. Auch wenn ich selbst oft genug dagegen war und wir statt Peace gerne Revolte einsetzen können – ein wenig mehr habe auch ich mir erwartet. Mehr Rebellion, mehr Liebe, mehr Spaß und vor allem mehr Solidarität. Wir gegen die. Doch das ist alles vergessen, heute, wo es zwar in jedem »Statement« um Dinge wie »Loyalität« geht, aber keiner mehr weiß, was eigentlich damit gemeint ist. Es ist wie so oft: Da, wo viel Loyalität drauf steht, ist am wenigsten drin.
 
Wir sind alle mittendrin und so ist es nur logisch, dass auch die Rapper mitmachen wollen. Sie wollen rein in diese Gesellschaft und ihren Teil vom Kuchen abhaben, ebenso wie die Prügelweiber in die Gesellschaft rein wollen. Genau wie der Chef der Deutschen Bank, will jeder etwas darstellen in seiner Welt. Alle wollen Respekt und Anerkennung und genau wie man als Geschäftsmann auf gewisse Weise skrupellos muss, darf man im Block nicht zimperlich sein, wenn einen die anderen fürchten sollen. Die Trennung innerhalb dieser Gesellschaft verläuft neben der Höhe des Bankguthabens auch anhand der Einstellung zur körperlichen Gewalt. Denn während weite Teile der Allgemeinheit keine Probleme damit haben, Soldaten ins Ausland zu entsenden, die dort, unter welchem Vorwand auch immer, Menschen töten, Flüchtlinge an der EU-Außengrenze zurück ins sichere Verderben zu schicken oder Millionen von Menschen in die Arbeits- und somit Existenzlosigkeit zu entlassen, hat man durchaus Schwierigkeiten damit, wenn es zu Hand­greiflichkeiten kommt. »Scheißkind«, »parasitäre Lebensform, die nicht richtig erzogen wurde« und »Untermensch« spricht dann auch das Bildungsbürgertum in Gestalt von Juliens Blog, der medial selbst nach allem tritt, was er unlebenswert findet. Denn während Julian, Wilhelm und Greta schon von klein auf eingetrichtert bekommen, dass man sich nicht haut und man im Notfall einen Anwalt einschalten kann, der sowieso effektiver ist, werden Murat, Kevin, Gülsen und Jaqueline dazu ermahnt, sich auf keinen Fall etwas gefallen zu lassen und wenn’s sein muss zurückzuschlagen. Während die einen angeleitet werden, irgendwann die Schalthebel der Macht und somit die unsichtbare Gewalt zu übernehmen, werden die anderen darauf vorbe­reitet, sich gegenseitig kaltzu­machen. Die Kunst besteht nur darin, sich gegen diese Leute abzusichern, nicht dass sie irgendwann mal im eigenen Vorgarten stehen.
 
Wenn wir wirklich etwas dagegen tun wollen, dass sich Szenen, wie in dem besagten Video, wiederholen, dann sollten wir so langsam damit anfangen, uns so zu erziehen, dass wir eingreifen, wenn es passiert. Wir können nicht verhindern, dass manche Menschen scheiße sind. Aber wir können sie daran hindern, beschissene Sachen zu machen. Ansonsten endet das Ganze so, wie die Methode zur Rattenbekämpfung, die der Legende nach, früher auf Schiffen angewendet wurde: Man fängt drei Ratten und sperrt sie ohne Futter zusammen in einen Käfig. Irgendwann fangen die Tiere an, sich zu bekämpfen, zu töten und aufzufressen. Diejenige Ratte, die überlebt, lässt man frei, woraufhin sie alle anderen Ratten auf dem Schiff tötet. Man kann Menschen auch in den Wahnsinn treiben.


9 Anmerkungen Kommentare anzeigen