Staiger der Observer

Blog für Politik, Zeitgeschehen und Unterhaltungskultur. Große Literatur und niedere Instinkte. Fotos, Schnipsel und Reportagen vom Rande der Gesellschaft. No Fear!
Apr. 18 '14
Hungerstreik Refugees O-Platz Tag 10

Hungerstreik Refugees O-Platz Tag 10


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Apr. 15 '14

Was Kurzes zum Frühstück - Lieber Kollegah!

zuerst möchte ich mich für Deine Antwort bedanken. Wir sind beide vielbeschäftigte Menschen und deshalb weiß ich es wirklich sehr zu schätzen, dass Du Dir die Mühe machst, auf meine Kritikpunkte einzugehen.

Auch wenn wir inhaltlich in einer Frage wie Patriotismus vorerst unterschiedlicher Meinung bleiben werden und auch bei der Ursachensuche, ob nun Zins-Geld das Grundübel ist oder die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, verschiedene Auffassungen haben – eine Sache ist mir dabei aufgefallen.

Ich denke dass sich so viele Menschen für diese Debatte interessieren, weil sie sich

erstens unwohl fühlen in dieser Welt wie sie ist,

zweitens nach einer Erklärung dafür suchen, warum das hier alles nicht mehr richtig läuft

und drittens auch nach Lösungsvorschlägen und Alternativen suchen.

Weil das in einer Internetdiskussion immer schwierig ist und voller Missverständnisse, schlage ich vor, dass wir uns beim Out4Fame Festival zu einer gemeinsamen Podiumsdiskussion treffen, um die Sachen live und direkt zu besprechen. Ich habe diese Idee am Sonntag schon mal mit Dako von Out4Fame andiskutiert und er wäre generell dazu bereit, das durchzuziehen.

Auch wenn wir vielleicht auf all diese Fragen nicht die ultimative Antwort haben, Hip Hop kann nach wie vor etwas, was keine andere (Jugend-)Kultur kann. Hip Hop bringt Menschen aus den unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten dazu, sich miteinander zu beschäftigen. Schon allein aufgrund der Masse an Texten, müssen wir uns miteinander auseinander setzen und das kann keine andere Musik- oder Kunstrichtung. In einer Zeit, in der die Gesellschaft immer weiter auseinander driftet sollten wir das ausnutzen, ansonsten ist das alles, was wir jetzt gerade produzieren nur popkulturelles Gelaber und Show.

In diesem Sinne wollte ich dann noch auf zwei, drei Sachen eingehen, die Du in Deiner letzten Antwort angesprochen hast.

  1. Ich habe nicht den Eindruck, dass über das Schicksal der Palästinenser und die israelische Politik in den deutschen Medien nicht berichtet würde. Das wird es. Womit du allerdings Rechts hast, ist, dass es ein krasses politisch korrektes Tabu ist und man nach wie vor nicht unbefangen darüber sprechen kann. Ändert aber auch nichts an der Tatsache, dass dieses Thema unweigerlich die alten antijüdischen Reflexe hervorruft und ganz schnell auch der echte Antisemitismus am Start ist.
  2. Mir ist nach wie vor nicht ganz klar, wie sich ein gesunder Patriotismus positiv auf die Psyche eines Menschen auswirken kann. Wie gesagt, ich kann nachvollziehen, dass man sich als Deutscher auch nicht schlechter fühlen will, als die anderen und wie ich schon sagte, man braucht sich dafür ja auch nicht zu schämen. Aber ein korrekter Mensch ist ein korrekter Mensch, egal wo er herkommt, oder? Wozu brauche ich eine Nationalflagge im Rücken?
  3. Was ergibt sich aus der scheinbaren Erkenntnis, dass nur eine winzig kleine Gruppe von Menschen, die Welt regiert? Theoretisch müsste man diese doch relativ einfach benennen können. Mit Namen und Adressen. Was ist, wenn es nicht die richtigen sind? Sind da eigentlich auch Russen, Chinesen, Japaner und Deutsche dabei? Und selbst wenn. Was ändert sich, wenn man diese Leute beseitigt und am System unseres Wirtschaftens nichts verändert? Dann sitzen nach zwei Jahren doch wieder die gleichen Typen am Tisch der Macht nur eben andere.

Das war‘s jetzt auf die Schnelle. Beste Grüße aus - zur Zeit - Frankfurt am Main, die Stadt unter der Illuminaten Pyramide, wo trotzdem oder gerade deswegen alle durchdrehen.  

Bis bald

Staiger


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Apr. 12 '14
Komisch. Auch in Höxter.

Komisch. Auch in Höxter.


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Apr. 11 '14
Ich habe einen Kuchen bekommen - und ihr?

Ich habe einen Kuchen bekommen - und ihr?


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Apr. 11 '14
Reiner oder keiner würd ich sagen. 40 Euro die Stunde und die nächste Party läuft.

Reiner oder keiner würd ich sagen. 40 Euro die Stunde und die nächste Party läuft.


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Apr. 11 '14

Bosstransformation und Zinskritik - Eine Antwort auf Kollegah

Lieber Kollegah,

Sorry für die späte Antwort auf deine Antwort vom letzten Sonntag, aber in den letzten Tagen hatte ich jede Menge zu tun und teilweise war ich auch malochen. Da hat man dann weniger Zeit, über gewisse Dinge nachzudenken, trotzdem wollte ich noch ein paar Sachen loswerden zu den Sachen, die Du bei Toxic gesagt hast. Da das jetzt aber auch von Deiner Seite nicht wahnsinnig ausschweifend war, will ich es relativ kurz halten: 

1. Ich habe die Nazikeule nicht ausgepackt und ich halte auch nicht jeden, der Israel kritisiert für einen Antisemiten. Wer allerdings ohne Not und ohne persönlich davon betroffen zu sein, viermal den Israel-Palästina Konflikt in einem Song erwähnt, dem unterstelle ich ein gewisses Kalkül. Und das Kalkül heißt, ich will mich bei all denen einschleimen, die im Internet unter ein solches Video gerne „Fick die Juden“ schreiben und das sind zur Zeit gar nicht mal so wenige. Den syrischen Bürgerkrieg, Somalia,  die andauernde Diskriminierung der Kurden in der Türkei, die Situation im Iran,  die Vertreibungspolitik gegen Roma in Ungarn oder auch US-imperialistische Machtbestrebungen im Irak und in Afghanistan … alles Themen, die ebenfalls zur Auswahl stehen, die allerdings viel weniger Likes auf dem facebook-Schlachtfeld bringen. Mit einer berechtigten Kritik der israelischen Politik hat das meiner Meinung nach wenig zu tun – mit Populismus dafür jede Menge.

2. Du sagst Fard und Snaga seien keine Politiker und man müsse das respektieren, dass sie sich überhaupt Gedanken über diese Themen machen. – Ja respektiere ich, deshalb führe ich auch diese Diskussion. Trotz allem muss ich nicht respektieren, was sie sich da so denken. Mache ich bei Jugendlichen mit NPD Parolen auch nicht. Bin ich auch nicht dankbar, dass sie sich überhaupt mit Politik beschäftigen. Finde ich scheiße und sage ich auch.

3. Du sagst Fard und Snaga seien die Stimme des „kleinen Mannes“ – das behauptet die NPD seit Monaten mit ihren zahlreichen Bürgerbewegungen gegen Flüchtlingsheime auch. Ich sehe nur, wie hier der „kleine Mann“ verarscht wird, indem man die Leute untereinander und gegeneinander aufhetzt und der Blick auf Dinge gelenkt wird, die gar nicht da sind. Nämlich, dass irgendwelche finsteren Mächte die Strippen ziehen würden, um uns unten zu halten. In Wahrheit nimmt dir aber dein Boss die Hälfte vom Lohn weg und wenn er dich nicht mehr braucht, setzt er dich auf die Straße und du wirst arbeitslos und damit vollkommen wertlos für diese Gesellschaft. Da braucht man keine Bilderberger dafür, dass es so läuft. Das läuft so.

4. Großartig fand ich in diesem Zusammenhang dein Statement, dass wir und zusammen schließen sollten. – Ja sollten wir. Auf jeden Fall. Um jeden Preis.

5. Das Konzept die Menschen in unterschiedliche Nationalitäten einzuteilen, ist allerdings ein hervorragendes Mittel, um die Leute zu trennen, weswegen ich dabei bleibe und Nationalismus scheiße finde und auch den nächsten Punkt nicht verstehe. 

6. Du sagst, ein bisschen mehr Patriotismus würde den Deutschen gut tun, damit sie auf dem Schulhof in ihrer Sozialen-Brennpunkt-Hood nicht mehr geopfert werden. Ich weiß nicht, wann Du das letzte mal in so einem Viertel warst, aber als ich neulich in der High-Deck Siedlung am Ende der Sonnenallee gearbeitet habe, kam es mir eher so vor, als ob da ALLE ziemlich am Arsch sind und die patriotischen Deutschen in ihren Thor-Stainar Klamotten nicht weniger Opfer sind – führt eigentlich nur dazu, dass die einen nichts mit den anderen zu tun haben wollen – Nicht gut. Vielleicht meinst Du aber auch, dass man sich nicht dafür zu schämen braucht, Deutscher zu sein. Da würde ich Dir Recht geben. Man braucht sich genauso wenig für seine Herkunft zu schämen, wie es sinnlos ist, darauf stolz zu sein. Dafür kann man nichts. Das ist einfach so. Punkt.

7. Noch ein Wort zur Zinskritik, die du verteidigst hast. Du sagst, dass man sein Geld immer wieder investieren muss, denn wenn man es auf der Bank liegen lassen würde, dann würde es ja immer weniger Wert werden … Bank? Zins? … ich lasse das jetzt einfach mal so stehen.

Vielleicht meinst Du aber auch etwas ganz anderes. Vielleicht meinst Du damit, dass die Banken und der gesamte Finanzsektor in der heutigen Zeit viel zu viel Macht haben. Da würde ich Dir wiederum Recht geben, hat aber eine ganz einfache Ursache. Da Gewinne, wie ich vorher erklärt habe, daraus entstehen, dass dein Boss dir immer einen Teil der Kohle klaut, wenn du arbeitest, bekommt er natürlich auch immer weniger, je mehr Leute er auf die Straße setzt. Zunächst sind Entlassungen ganz gut für den Boss, weil der Rest der Belegschaft die gleiche Menge an Gütern herstellt wie vorher auch und durch Entlassungen die Produktionskosten sinken. Irgendwann muss er aber auch die Preise senken, weil seine Konkurrenten ihm im Nacken sitzen und weil irgendwann sogar die Chinesen kommen und alles kaputt machen, weil sie noch billiger produzieren können (weil sie ihre Leute noch besser ausbeuten können). Da hilft dann nur noch, auf Teufel komm raus, mit immer weniger Leuten mehr und immer mehr von dem Zeug zu verkaufen, das man so herstellt, solange bis die Märkte gesättigt sind. Irgendwann ist ein Markt dann ausgelutscht und man muss sich neuen Märkten zuwenden und im Zweifelsfall sogar einen neuen Markt erfinden. Deshalb muss unsere Wirtschaft auch immer wachsen, weil anders funktioniert es nicht und weil das Geld auf der Bank ja immer weniger Wert wird, wenn man es einfach so liegen lässt, Geld aber gerne mehr Geld werden möchte, sucht es sich Dinge, in die man investieren kann. Das ist mittlerweile ein bisschen schwierig geworden, weil gar nicht mehr so viel Wachstumsmärkte übrig sind. Also hat das Geld spätestens seit den 1990er Jahren angefangen, in die Zukunft und somit in die diversen Finanzprodukte zu investieren – mit den Folgen, die wir jetzt sehen. Die Geschäfte mit der Zukunft sind schief gegangen, die Kredite sind geplatzt. Weil das aber alles mittlerweile so groß ist und so viel Platz in unseren Volkswirtschaften einnimmt, kann man die Scheiße aber auch nicht untergehen lassen. Deshalb gibt es Bankenrettungen und Hilfspakete, die letzten Endes dann wieder vom „Kleinen Mann“ bezahlt werden. Too big to fail.

Das Problem würde aber nicht dadurch gelöst, dass man die Zinsen abschafft – was die Inflation in der Realität ja auch schon macht, wie du richtig erkannt hast – sondern das Problem liegt im System selbst, das auf Ausbeutung beruht und mittlerweile Schwierigkeiten hat reale Möglichkeiten der Ausbeutung zu finden.

Du hast Glück, dass Du mit dem Fitnessmarkt eine der letzten Wachstumsbranchen überhaupt gefunden hast. Danke übrigens dafür. Dein Programm funktioniert, wie man sehen kann!

#Bosstransformation läuft.


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Apr. 11 '14

Das Handgeld nennt sich Begrüßungsgeld

Die Gerüchte, dass Geflüchteten eine Aufwandentschädigung gezahlt wurde, damit sie die Drecksarbeit für die Berliner Politik machen, scheinen sich zu Bewahrheiten. Die BZ schreibt in einem ihrer Artikel über die Räumung des Oranienplatzes euphemistisch von 100,- Euro Begrüßungsgeld.

Vor einigen Monaten zahlte Italiens Regierung 500,- Euro an jeden Geflüchteten, der Italien verlässt. Es scheint also so zu sein, dass europäische Politiker die Flüchtlingspolitik mit Einmalzahlungen im Hunderterbereich in den Griff bekommen wollen. 

Viel Erfolg damit!


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Apr. 10 '14

Oranienplatz-Räumung und was seitdem passiert ist

Die letzten Tage war viel los. Zu viel zu tun und zu wenig Zeit. am dienstag morgen erreichte mich die SMS, dass das Refugee Camp auf dem Oranienplatz in Berlin Kreuzberg geräumt würde. Ich dachte: Guter Witz. Das ziehen die niemals vor dem ersten Mai durch und bin trotzdem hingefahren. Gesehen und erlebt habe ich dann tatsächlich eine Art menschliche Katastrophe. Geflüchtete wurden gegen andere Geflüchtete aufgehetzt und laut immer wiederkehrenden Gerüchten sogar mit einem Handgeld von 100 Euro dafür bezahlt, die Hütten und Zelte auf dem Oranienplatz zu zerstören. Was mich in diesem Zusammenhang wirklich noch interessieren würde: Aus welchem Topf wird so eine Bargeldzahlung eigentlich bezahlt?. Wer gibt dieses Geld frei und wie wird es verbucht? Wenn ich darauf noch eine Antwort bekommen könnte, wäre ich glücklich. Ansonsten könnt ihr Euch die Ereignisse des Tages in der Reportage

Hämmer, Brecheisen und Messer - die räumung des Berliner Refugee-Camps auf vice.com anschauen und durchlesen.

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Und während die Typen von der Jungen Union, mit Frisuren, die so aussehen, als hätten sie eine Golfermütze auf, ihren Innensenator feiern…

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… sitzt auch jetzt noch, Donnerstag Abend 22:00, Napuli, eine der führenden Flüchtlings-Aktivistinnen auf einem Baum auf dem Oranienplatz und weigert sich, diesen zu verlassen. Heute Abend hat sie nach über 48 Stunden zum ersten mal Nahrung gereicht bekommen, die ihr zuvor verweigert wurde. Napuli erklärt, dass sie erst dann vom Baum kommen würde, wenn Integrationssenatorin Dilek Kolat von der SPD erscheint, um mit ihr die abgebrochenen Verhandlungen zu einem Abschluss zu bringen. Diese verweigert allerdings ein Gespräch. 

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Außerdem befinden sich mehrere Flüchtlings-Aktivisten im Hungerstreik, um die Errichtung eines größeren Infopoints und Versammlungszeltes auf dem Oranienplatz durchzusetzen und um in der besetzten Gerhard-Hauptmann-Schule in Kreuzberg, ein autonomes Flüchtlingszentrum einzurichten.

Falls ihr also gerade mal nichts zu tun habt. Am O-Platz ist noch immer jede Menge los und Tee und Decken werden immer wieder gebraucht.  Morgen Abend gibt es übrigens auch noch einen schönen kleinen Kiez-spaziergang durch Weißensee zur Villa von Innensenator Frank Henkel, um mal zu gucken, wie der so lebt.

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Alle Infos gibts auf indymedia   


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Apr. 4 '14
Zugezogenmaskulin - Soli für Reiche 63. Wer nicht da ist, hat’s verpasst. Opfer!

Zugezogenmaskulin - Soli für Reiche 63. Wer nicht da ist, hat’s verpasst. Opfer!


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März 25 '14

Endlich online. Marcus Staiger zu Gast bei Falk Schacht für eine weitere Folge “diesdas" auf aggro.tv. Wen das verwirrt - egal. Es ist wahnsinnig unterhaltsam und es geht natürlich um das Buch “Die Hoffnung ist ein Hundesohn”.


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März 14 '14

Ach ja, fast vergessen. Mit Visa Vie hatte ich auch noch ein längeres Gespräch im ehemaligen, originalen Royalbunker, der heute etwas anders aussieht.


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März 14 '14

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März 12 '14

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März 12 '14

Die Klassenfrage oder gibt es die Bilderberger?

Diese Diskussion ist gut, Hip Hop ist beste und ich setze mich auch gerne nochmal mit allen Beteiligten an einen Tisch, um das alles auszudiskutieren - falls gewünscht. Unter anderem dann auch die Frage, warum ich bestreiten würde, dass es die oberen 10.000 gibt, die den Rest der Menschheit manipulieren? Warum ich bestreiten würde, dass es Klassen gibt? Eliten? Die Bilderberger? Nun – tu ich gar nicht.

Um eine lange Diskussion kurz und bündig zu beantworten: Ja, es gibt Klassen, ja, es gibt Eliten und ja, es gibt die Bilderbergerkonferenz. Das ist ein Fakt und das kann man selbst in der angeblich vom- Zionismus-gesteuerten-Weltpresse nachlesen. Im Nicht-vom-Zionismus-gesteuerten-Internet, sowieso.

Natürlich gibt es Zirkel der Macht, in denen sich einflussreiche Menschen treffen, um Strategien zu besprechen und sich in ihren Handlungen abzusprechen. Genauso wie es Hip Hop Seilschaften gibt, die sich gegenseitig unterstützen und hochziehen, lokale Verbrecherbanden, die sich abstimmen oder die örtliche Handwerkskammer, gibt es auf nationaler Ebene und internationaler Ebene Gesprächskreise, in denen Allianzen geschmiedet und Posten verteilt werden. Manchmal klappen solche Machtspielchen, manchmal gehen sie schief. Meistens stümpert man sich so durch. Alles in Allem geht es aber meistens darum, den eigenen Einfluss zu stärken und den der Konkurrenten in den Hintergrund treten zu lassen. Es geht um Macht und somit um die Fähigkeit, andere nach seiner Pfeife tanzen zu lassen, sei es jetzt die USA, die Nato und die EU in der Ukraine, die Russen auf der Krim, Saudi Arabien und Quatar im Nahen Osten oder die Machteliten im Iran, die sich gegenseitig die Posten streitig machen, obwohl sie doch alle anscheinend gottgewollt und gottgefällig regieren.  

Diese Zirkel der Macht haben in ihrer Banalität wahrscheinlich eher etwas mit einem Weißwurstfabrikanten aus Ulm zu tun, der trotz Steuerhinterziehung einer Bundeskanzlerin die Hand schütteln kann, als mit der Vorstellung, dass irgendwo in den Schweizer Bergen oder den Bunkern von Tel Aviv ein paar graue Männer sitzen und die Strippen ziehen. Diese Koalitionen haben mehr damit zu tun, dass in Hamburg eine wohlhabende Bürgerschaft dagegen stimmt, dass ihre Kinder mit den Kindern der Unterschicht auf eine Schule gehen sollen, als damit, dass irgendwo in den Wäldern von San Francisco Eulen aus Holz verbrannt werden. Und schließlich haben diese Verstrickungen mehr mit uns im Allgemeinen zu tun, als damit, dass sich irgendwo angeblich eine Handvoll Familien neue Bösartigkeiten zur Überwachung und Repression ausdenken. Denn eines muss man verstehen:

Alle Mitspieler in diesem Spiel handeln genau so, wie es von ihnen erwartet wird – und zwar ohne sich dessen sonderlich bewusst zu sein

Und solange man das nicht versteht, versteht man gar nichts. Und dann bleibt man, um es mal im Tonfall der notorischen Wahrheitsfinder zu formulieren: verblendet und gehirngewaschen.

Natürlich gibt es auch persönliche Deformationen, Sadismus und Bösartigkeiten und vielleicht hat Ulli Hoeneß auch aus persönlicher Gier so gehandelt, wie er gehandelt hat, allerdings hat er auch genau so gehandelt, wie es sich für einen ordentlichen Kapitalisten gehört: Er hat aus Geld mehr Geld gemacht. Und da er aus der Weißwurst-Produktion heutzutage wahrscheinlich keine weiteren Gewinne mehr rausholen kann, weil Weißwurst-Produktion mittlerweile fast Vollautomatisiert läuft, er keine Arbeiter mehr entlassen kann, alles effizient optimiert wurde und da einfach nichts mehr rauszupressen ist, hat er sich eben ein neues Feld gesucht, mit dem er aus seinem Geld mehr Geld machen kann. Also hat er in andere Währungen investiert, in ausgedachte Finanzprodukte und vielleicht auch in Öl, Landminen und Waffen oder was heutzutage sonst noch so Gewinn erwirtschaftet.    

Er hat in Versprechungen und die Zukunft investiert. Er hat seine Ware Geld in eine andere Ware Geld investiert und daraus wurde dann auch so unwahrscheinlich viel mehr, so dass der arme Mann vollkommen überfordert war und leider ein wenig den Überblick über seine Steuerlasten verloren hat. Genauso erging es wahrscheinlich hunderttausend anderen Investoren und Bankern auf diesem globalen Finanzmarkt. Manche von ihnen hatten dann weniger Glück als der gute Ulli und sie haben statt erhoffter Gewinne, ein paar Milliarden in den Sand gesetzt. Das ist scheiße. Könnte gesamtwirtschaftlich zum Problem werden und wie der örtliche Sparkassenchef den örtlichen Bürgermeister anruft, so ruft der Chef der Deutschen Bank dann auch beim Finanzminister an, und gemeinsam retten sie dann den Standort Deutschland. Der Chef der Deutschen Bank kann im übrigen beim Finanzminister anrufen, weil er erstens seine Nummer hat und zweitens weil die beiden sich von irgendeinem Stehempfang kennen oder weil sie auf derselben Uni und in derselben Studentenverbindung waren oder weil sie sich ganz einfach gut leiden können, da sie aus einem ähnlichen Milieu kommen. Mit anderen Worten, weil sie Connection haben. Natürlich gibt es Lobby Arbeit und politische Einflussnahme. Natürlich gibt es die ewige Leier von den Sachzwängen und der Alternativlosigkeit bestimmter Maßnahmen, mit denen Interessen durchgedrückt werden, die ausschließlich der Profitmaximierung durchgedrückt werden und vielleicht gibt es auch tatsächlich eine Handvoll Supperreicher, die davon ganz besonders profitieren. ABER! Was diese Maschine wirklich am Laufen hält, sind die gesichtslosen Strukturen multinationaler Konzerne und unsere bedingungslose Unterwerfung unter dieses System, in dem jedes einzelne Ding und jeder einzelne Mensch nur dann etwas zählt, wenn er für den Profit brauchbar ist. Wenn nicht, dann ist er wertlos.

Solange wir da mitmachen und solange wir das bedingungslos glauben, wird sich nichts ändern. Solange werden Menschen neben vollen Kühlregalen verhungern, weil sie die Lebensmittel nicht bezahlen können. Solange werden Menschen neben leerstehenden Wohnungen erfrieren, weil sie das Geld für die Miete nicht aufbringen können und solange werden Arzneimittel für Märkte produziert, die sich das leisten können und eben nicht nach Afrika geliefert, ganz einfach aufgrund der Tatsache, weil die Afrikaner sie nicht bezahlen können.

Solange WIR das nicht ändern, wird sich gar nichts ändern und daran kann dann auch kein Gott und kein starker Mann etwas ändern, nach dem immer wieder gern gerufen wird. Daran werden auch keine neuen, moralisch anderen Führer etwas ändern, die mal ordentlich aufräumen, Banker enthaupten und Kinderschänder kastrieren. Denn was nützt uns ein neuer Lokführer, wenn der Zug, in dem wir sitzen, der gleich bleibt.

Etwas ganz anderes aufbauen: Eine alles umfassende, offene und gleichberechtigte Gemeinschaft, die sich zusammenschließt und diesem Wahnsinn hier den Rücken zukehrt. Die Superreichen einfach an ihrer Kohle ersticken lassen und aufhören für sie zu arbeiten. Davor haben die Mächtigen in dieser Welt nämlich wirklich Angst, davor, dass keiner mehr mitmacht. Doch solange wir alle dabei sind, mit dem Argument: „Von irgendwas muss ich ja meine Miete bezahlen“ und die Hälfte Eurer Kumpels in der Security Branche tätig ist, um für ein paar Brotkrumen dieses System zu beschützen, wird es noch ein bisschen so weiterlaufen.

Die Kunst besteht darin, die richtigen Fragen zu stellen. Es geht nämlich weniger um die Frage „Wer ist Schuld?“ sondern vielmehr um die Fragen „Warum ist das so?“ und „Muss das so sein?“

Aber das wird schon. Ich glaube an Euch. Alles wird gut!  


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März 11 '14

Offener Brief von mir an die Freunde von Talion II

Eben wurde ich innerhalb einer Kommentardiskussion auf FB vom Out 4 Fame Manager Mario darauf angesprochen, was ich an der Verbreitung des islamischen Glaubens, im Rahmen des neuen Fard und Snaga Tracks “Contraband”, falsch finde. Auf die Spitzfindigkeiten, dass der Begriff Jihad für den persönlichen Krieg des muslimischen Gläubigen mit sich selbst und im Ringen um seinen Glauben besteht, will ich an dieser Stelle nicht eingehen. Ich kenne diese Interpretation und auch die Interpretation das ein Mujahedin ein Gläubiger ist, der sich auf den Hadj gemacht hat, also auf den Weg eines wahren Gläubigen - Das allerdings, ist mit der ersten Zeile von Fards Part mit einiger Wahrscheinlichkeit NICHT gemeint. Wenn doch, dann ist die Bildsprache des Videos, nun ja, sagen wir mal, unglücklich gewählt. 

Ansonsten habe ich ihm folgendes geschrieben:

Mario, mein Lieber. ich schätze dich sehr, aber dieses Video und dieser Song sind falsch, falsch, falsch.

Ich kann mit Fards und Snagas Weltsicht ohnehin nicht viel anfangen. Zu weinerlich und zu viel Beschwerde. Dieses Video aber bringt die gesamte systematische Schwäche der beiden auf den Punkt.

Fangen wir mal an, bei der Zusammenarbeit mit der bekloppten Nationalflaggen T-Shirt Firma. Was ist an Nationalismus bitteschön gut? Der Nationalismus hat nur Scheiße hervorgebracht, wird nur Scheiße hervorbringen und ist nur dazu da, die Menschen zu trennen. Also weg mit Nationalflaggen!

Zinskritik? Mein Gott, bei einem Zinssatz von Null Prozent zu behaupten, es gäbe guten Kapitalismus, wenn man die Zinsen abschaffen würde und die raffgierigen Banker enthaupten würde, ist einfach nur beschränkt. Der Kapitalismus arbeitet, wie der Kapitalismus arbeitet, nämlich mit Ausbeutung und daran ändert ein Geld mit oder ohne Zins überhaupt nichts. Die Ausbeutung fängt da an, wo der Kapitalist den arbeitenden Menschen einen Teil ihres Lohns vorenthält, um Gewinn zu machen, geht weiter in der gnadenlosen Verwertung ALLER natürlichen Ressourcen und endet dort, wo er Menschen aussortiert, weil sie wertlos für ihn geworden sind. Dieses System funktioniert weil WIR es am Laufen halten und NICHT weil irgendwelche Bilderberger, Banker und Zionisten am Rad drehen.

Natürlich ist es, wenn die Dinge schlecht laufen, immer eine Möglichkeit zu sagen, dass man ein paar Leute erschlägt. Wenn es dann nicht besser wird, hat man vielleicht zu wenige erschlagen oder die falschen und müsste noch ein paar mehr oder andere erschlagen. Diese Vorgehensweise halte ich allerdings für nicht sehr vielversprechend, da es in der Vergangenheit noch nie so war, dass sich durch das Erschlagen von Menschen irgendetwas verbessert hat. Meines Wissens haben deutsche Arbeitslose keinen einzigen Arbeitsplatz mehr zurück bekommen, weil der NSU ein paar Ausländer erschossen hat. Vielleicht waren es, nach eurer Logik ein paar zu wenige, kann sein, ich glaube allerdings, dass dieses Problem im System selber liegt, wie so viele von den Problemen, die in diesem Song angesprochen werden und bei denen, und jetzt kommts, uns auch ein Gott, der über uns wacht, nicht helfen wird.

Ich schätze Religionen sehr als Betätigungsfeld für spirituellen Wachstum. Kombiniert mit Waffen und Territorialstreitigkeiten ist das aber eine ganz ekelhafte Sache. Deshalb mein lieber Mario, ist dieses Video und ist dieser Song absolut Banane. Denn von einem Gott, von Gott dem Barmherzigen, wie es im Koran heißt, höre und sehe ich in diesem Video nichts. Hier wird gehetzt und der Eindruck vermittelt, es handle sich um revolutionäres Gedankengut. Mit Nikes an den Füßen und der Todesstrafe im Mund ist das allerdings weder rebellisch noch revolutionär noch fortschrittlich. Das ist einfach nur reaktionär - sonst nichts.

In Liebe, Dein Staiger 


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